Personalie:Neuer Direktor im Ägyptischen Museum München

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Personalie: Arnulf Schlüter wurde zum neuen Direktor des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst in München berufen.

Arnulf Schlüter wurde zum neuen Direktor des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst in München berufen.

(Foto: Hannes Magerstädt/SMÄK)

Arnulf Schlüter folgt Sylvia Schoske. Der Posten war seit einem Jahr vakant.

Von Evelyn Vogel, München

Ihn als "echtes Hausgewächs" zu bezeichnen, ist im Falle des neu berufenen Direktors des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst recht zutreffend. Arnulf Schlüter, bisher stellvertretender Direktor und Oberkonservator am SMÄK verwendet die Bezeichnung selbst gern - wohl wissend um den Ruch, der Hausberufungen oft anhängt. Aber der 43 Jahre alte, promovierte Ägyptologe fürchtet ihn nicht. In einem einjährigen Bewerbungs- und Auswahlverfahren hat er sich gegen zahlreiche internationale Kandidaten durchgesetzt und wird zum 1. März die Nachfolge der im vergangenen Jahr in Ruhestand gegangenen Direktorin des Ägyptischen Museums, Sylvia Schoske, antreten. Am Donnerstagnachmittag wurde er von Kunstminister Bernd Sibler mit den Worten vorgestellt: "Sie haben's drauf." Schlüter sei eine "Persönlichkeit mit großer Expertise", der "die Herausforderungen des Hauses erfolgreich meistern" werde.

Schlüter wuchs in München auf, studierte und promovierte an der LMU. Entzündet wurde sein Interesse an der Altertumsforschung während eines Schüleraustauschs: "Damals bin ich mit einem Stadtarchäologen in Rhodos über die Ausgrabungen gezogen, und da ist der Berufswunsch entstanden", berichtet er während des Pressetermins. Dass der Vater im Freundeskreis des Ägyptischen Museums engagiert und in der heimischen Bibliothek entsprechendes Anschauungsmaterial vorhanden war, dürfte diesem Wunsch entgegen gekommen sein. Bei seiner späteren Chefin Sylvia Schoske ging er zur Studienberatung und ließ sich auch von den geringen Aussichten auf eine renommierte Stelle in der doch verhältnismäßig kleinen Disziplin der Ägyptologie nicht abschrecken.

Schlüter ist ein "echtes Hausgewächs"

Sein beruflicher Werdegang ging dann auch schnurgerade auf das nun erreichte Ziel zu. 2003 begann er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ägyptischen Museum, von 2014 an war er stellvertretender Direktor, bald darauf Konservator, dann Oberkonservator, Mitarbeiter am hoch angesehen Naga-Projekt im Sudan, dessen Leitung er 2021 schließlich übernahm. Er kennt das Museum und seine Mitarbeiter sowie den Freundeskreis bestens. Weshalb es wohl auch kein Wunder ist, dass seine Bewerbung von der geballten Hausmacht unterstützt wurde. Schlüter hat an der Realisierung des Neubaus im Kunstareal seit 2013 wesentlich mitgewirkt und zur Profilierung des Hauses beigetragen. Eines Hauses, dem Sibler eine "großartige Zukunft" prophezeit.

"Ich stehe für Kontinuität, aber ich will das Profil des Museums auch weiter schärfen", betont Schlüter. "Ich verstehe das Museum als Kulturort, als Bildungs- und Forschungsinstitution." Es sei gut, dass die zeitgenössische Kunst im Umfeld des Kunstareals einen Platz im Museum habe. Auch die Vernetzung mit den Universitäten, an denen er selbst auch Lehraufträge wahrnimmt, will er weiter stärken. "Ich möchte noch mehr ägyptische Themen ins Museum bringen und Publikationen stärker forcieren." Das Naga-Projekt will er mit Hilfe einer Sonderausstellung nach München holen. Eine Online-Sammlung verspricht er aufzubauen, die Digitalisierung will er noch stärker vorantreiben und viele neue Formate ausprobieren.

Schlüter ist auch Vertreter einer modernen Work-Life-Balance

Außerdem sind ihm soziale Teilhabe und Inklusion sehr wichtig: "Ich habe es mir auf die Fahne geschrieben, einen Museumsbesuch zu etwas Alltäglichem zu machen." Es gebe immer noch zu viele Hemmschwellen, gerade bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Mit interessanten Techniken wie VR und AR könne man Teile der Gesellschaft ins Museum locken, die man mit Ausstellungen oder Führungen nicht erreiche. Auch über das Thema Nachhaltigkeit denkt er nach und will das grüne Museum weiter vorantreiben. Kurzfristig müsse die Aufgabe aber sein, mit den Besucherzahlen - bis zu 100 000 - und dem Veranstaltungsangebot - bis zu 1000 pro Jahr - an vorpandemische Zeiten anzuschließen. Die nun angekündigten Rücknahmen der Corona-Einschränkungen sollten helfen, diese Ziele zu erreichen, wie Schlüter bemerkte.

Die Arbeit wird dem neuen Direktor, mit dem auch ein Generationswechsel im Ägyptischen Museum vollzogen wird, bestimmt nicht ausgehen. "Aber Zeit für die Familie muss bleiben", sagt Arnulf Schlüter. Mit seinen beiden Kindern und seiner Frau, die ebenfalls Ägyptologin ist und teils finnische Wurzeln hat, geht er gerne Radeln und Segeln. Und auch das Reisen - hier steht neben Finnland Italien hoch im Kurs - soll nicht zu kurz kommen. Denn bei aller Faszination für das Alte Ägypten: Eine moderne Work-Life-Balance ist Arnulf Schlüter auch wichtig.

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