Trend zur 0,33-Liter-Bierflasche Die kleine Blonde aus der Trendabteilung

Langer Hals, wenig Inhalt und der Charme eines It-Girls: Inzwischen setzen selbst die Münchner Brauereien auf die 0,33-Liter Bierflasche - und das, obwohl die Bayern doch eigentlich die großen Mengen bevorzugen.

Von Astrid Becker

Ein wenig klingt es nach einem Bruch mit bayerischer Tradition: Das Münchner Helle von Hacker-Pschorr gibt es in der Gastronomie künftig auch als 0,33 Liter-Bügelflasche - und das in einer Region, die weit über die Landesgrenzen dafür steht, Bier grundsätzlich in größeren Maßeinheiten auszuschenken. Das Unternehmen will mit dem neuen Produkt vor allem die jüngere Kundschaft jenseits der traditionellen Wirtshäuser ansprechen - und ist in München keineswegs die erste Brauerei, die auf diese Weise auf die veränderten Trinkgewohnheiten reagiert.

Ein Glas braucht dieser Biertrinker nicht mehr - die Münchner Clubs verkaufen gerne kleine Flaschen für den schnellen Konsum.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Wir wollen damit vor allem die Szenegastronomie bedienen", sagt Hacker-Pschorr-Geschäftsführer Andreas Steinfatt, der am Dienstag vor dem P 1 die neue Flasche vorstellte und sich zu einem erstaunlichen Vergleich hinreißen ließ: "Das ist unsere Kleine, unser It-Girl." Tatsächlich war die Idee, das Helle auch in kleinerer Form anzubieten, durch die Wirte von Clubs und Veranstalter von Partys entstanden, weil immer mehr Gäste danach verlangen. Verantwortlich dafür dürften auch die Marken Becks und Jever sein, die sich vor allem mit ihren kleinen Pilsflaschen auf dem bayerischen Biermarkt behaupten.

Der staatliche Hofbräu hat bereits vor Jahren auf den Trend reagiert. Die Brauerei kreierte eigens für Clubs und Partys im Großraum München vor etwa fünf Jahren sein "HB pure" - eine 0,33 Liter-Flasche mit langem Hals und schwarzem Etikett. Ein Produkt, das nach Aussagen des Brauereichefs Michael Möller einzig und allein für diese Art der Gastronomie, zum Beispiel in der Muffathalle oder in der Freiheizhalle, eingeführt wurde und nicht im Handel zu erhalten ist.

Auch bei diesem Bier handelt es sich um ein Helles, das allerdings länger als dort üblich gelagert wird. "Das macht es süffiger", so Möller. Die Flasche habe ganz praktische Vorteile: Sie sei leichter zu handhaben und vor allem billiger als die Halbe - ein Argument, warum viele jüngere Partygäste darauf abfahren. Dieses Publikum trinke ohnehin schon lange lieber aus der Flasche als aus dem Glas, sagt Möller. Diese Vorliebe dürfe eine Brauerei nicht unbeachtet lassen, "wenngleich das sogenannte Diskothekengeschäft insgesamt kein wachsender Markt für uns ist."

Nur geredet wird über das Mini-Augustiner nicht

Auch bei den drei Münchner Marken Spaten, Franziskaner und Löwenbräu des Weltkonzerns AB Inbev hat man sich auf den neuen Trend eingestellt. Allerdings will das Unternehmen vermeiden, der hauseigenen Marke Becks, die im Bar- und Clubgeschäft Marktführer ist, offen Konkurrenz zu machen. Seit diesem Sommer gibt es zum Beispiel "Franziskaner alkoholfrei" sowie das Weißbier-Mischgetränk "Löwenbräu Grapefruit" in der kleinen 0,33-Liter-Flasche. Bayerische Puristen und Anhänger des Reinheitsgebots werden dies wohl eher weniger goutieren - deshalb gibt es das Mischgebräu auch nur einen Sommer lang als "limited edition".

Ein Testlauf also, mit dem jedoch weniger die Szenegastronomie erfreut, sondern vielmehr das Mittagsgeschäft belebt werden soll, so Geschäftsführer Günter Kador. Ihm zufolge verlangten vor allem Autofahrer und Menschen, die noch arbeiten müssen, nach den kleineren Flaschen.

Selbst die Augustiner-Brauerei, die wie keine andere für Tradition steht, hat längst ihr Bier in 0,33 Liter-Flaschen abgefüllt. Im Handel ist das Mini-Augustiner aber nicht zu kaufen. Vielmehr gibt es die kleine Flasche in den Sorten Edelstoff, Weißbier und Pils schon seit vielen Jahren in Hotels, und das Helle nur in wenigen ausgewählten Szenelokalen der Stadt. Nur geredet wird über die kleinen Biere bei Augustiner nicht. Kein Wunder: Die Brauerei lehnt seit jeher jegliche Form von Werbung ab.

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