Wikileaks:Eine Frau im Kampfmodus

Wikileaks: "Julian würde eine Auslieferung nicht überleben": Stella Moris kämpft um ihren Verlobten.

"Julian würde eine Auslieferung nicht überleben": Stella Moris kämpft um ihren Verlobten.

(Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS/AFP)

Die Juristin Stella Moris will verhindern, dass ihr Verlobter Julian Assange an die USA ausgeliefert wird.

Von Alexander Mühlauer, London

Am Wochenende hat Stella Moris ihren Verlobten im Gefängnis besucht. Er habe sehr schlecht ausgesehen, sagt sie, sehr dünn, dann muss sie sich kurz räuspern. Ihre Stimme ist nicht in bester Verfassung an diesem Montag in London, als sie vor Journalisten darüber spricht, wie es ihrem Partner geht, dem wohl mächtigsten Enthüllungsaktivisten der Welt: Julian Assange, Gründer von Wikileaks.

Stella Moris kämpft für seine Freilassung. Und um das zu erreichen, will sie Aufmerksamkeit. Zusammen mit dem Chefredakteur von Wikileaks und einer Vertreterin der Organisation Reporter ohne Grenzen ist sie deshalb am Anfang dieser Woche ins Haus der Royal Over-Seas League gekommen, um über ihre Sorgen und Ängste zu berichten. Sie sagt: "Julian würde eine Auslieferung nicht überleben." Genau das fordern die USA aber nach wie vor, sie wollen, dass Assange in die Vereinigten Staaten überstellt wird. Und darum beginnt an diesem Mittwoch in der britischen Hauptstadt das Berufungsverfahren um die Auslieferung des Wikileaks-Gründers, nachdem ein Londoner Bezirksgericht im Januar geurteilt hatte, dass Assange vorerst aus gesundheitlichen Gründen nicht an die USA überstellt werden könne.

Geht es nach der US-Regierung, soll ihm dort der Prozess gemacht werden, wegen des Vergehens gegen den mehr als hundert Jahre alten "Espionage Act", der den unbefugten Besitz und die Veröffentlichung geheimer Regierungsdokumente unter Strafe stellt. Assange droht in den USA eine Anklage in 18 Punkten - und damit bis zu 175 Jahre Haft.

2012 änderte sie ihren Namen, um ihre Familie zu schützen

Julian Assange, der Hacker, Aktivist und Publizist, ist für die einen ein Held, für die anderen ein Verräter. Für Stella Moris ist er vor allem eines: ihre große Liebe. Die beiden lernten sich 2011 kennen, da war sie 28 Jahre alt. Sie schloss sich Assanges Team an. 2012 änderte sie ihren ursprünglichen spanischen Namen, um ihre Familie zu schützen, wie sie dem Guardian einmal erzählte.

Stella Moris wurde als Tochter einer spanischen Theatermacherin und eines schwedischen Architekten in Südafrika geboren. Sie wuchs in Botswana, Lesotho, Schweden und Spanien auf, bevor sie zum Studieren nach Großbritannien ging. Dort spezialisierte sich die Juristin auf Menschenrechte. Seit 2015 sind Moris und Assange ein Paar. Damals hatte er in der ecuadorianischen Botschaft in London Zuflucht gefunden, allerdings ohne viel Privatsphäre. Moris ist davon überzeugt, dass die Zimmer verwanzt gewesen seien. Private und geheime Dinge hat sie deshalb auf Papierzettel geschrieben, so hat sie Assange auch mitgeteilt, dass sie schwanger sei.

Die Angst, abgehört zu werden, hat sie auch jetzt, wenn sie ihren Verlobten im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in London besucht. Dort sitzt Assange, seit er 2019 von der britischen Polizei in der ecuadorianischen Botschaft festgenommen wurde. Während des Corona-Lockdowns waren Gefängnisbesuche nicht erlaubt. Moris und ihre Kinder konnten nur am Telefon mit Assange reden, Video-Calls waren untersagt. Mit dem Sunday Times Magazine hat sie vor einem Jahr über all das gesprochen und sich mit ihren beiden Söhnen fotografieren lassen. Assanges Kritiker finden, dass sie damit zu viel auf die Tränendrüse gedrückt habe. Seine Unterstützer sagen wiederum, da sei nun mal eine Frau, die für ihre Familie kämpfe.

Stella Moris hofft, dass nun ein "Wendepunkt" im verworrenen Drama um Julian Assange erreicht ist. Investigative Journalisten hatten vor einem Monat unter Berufung auf nicht genannte US-Quellen berichtet, die CIA habe Anschlagspläne auf Assange geschmiedet, während dieser sich noch in der ecuadorianischen Botschaft aufhielt. Und so fragt Moris zu Beginn dieser Woche: "Kann Großbritannien jemanden in ein Land ausliefern, das ihn umbringen wollte?"

Zur SZ-Startseite

SZ PlusFacebook Files
:Die Sprachlosigkeit der Maschinen

Jenseits des englischsprachigen Internets stoßen die Sicherheitsmechanismen von Facebook an Grenzen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB