Russland:Mundtot gemacht

In Russland werden Journalisten bei Demonstrationen verhaftet und zu "Auslandsagenten" erklärt. Die jüngste Repressionswelle ist beispiellos

Von Silke Bigalke

Wieder sind in Russland zwei unabhängige Medien zu "Auslandsagenten" erklärt worden, darunter der Online-TV-Sender Doschd. Das war absehbar, Doschd ist Kreml-kritisch und hat eine respektable Reichweite. Die Redaktion hatte längst damit gerechnet, dass es sie bald treffen würde - was die Sache nicht weniger alarmierend macht, im Gegenteil. In Russland werden kritische Stimmen längst mit großer Regelmäßigkeit mundtot gemacht, man darf sich daran auf keinen Fall gewöhnen.

Es reicht auch nicht, der Repressionswelle allein mit Humor zu begegnen - obwohl sich das aufdrängt: Jeder russische Journalist, der seinen Job macht, so scheint es, landet früher oder später auf der Agentenliste. Wenn die Behörden nun jede unabhängige Redaktion zum Volksfeind erklären, wird dieses Label unter Journalisten praktisch zum Qualitätsmerkmal. Aber es werden dadurch auch Quellen und Anzeigenkunden vertrieben, den Medien wird ihre Lebensgrundlage genommen.

Der Kreml hat unabhängigen Journalisten stets das Leben schwer gemacht, die Repressionswelle der vergangenen Monate aber ist beispiellos. Moskauer Journalisten, die sich am Samstag friedlich demonstrierend auf die Straße gestellt haben, wurden gleich festgenommen. Geht es so weiter, dann herrscht in Russland bald dieselbe verängstigte Stille wie jetzt unter der belarussischen Diktatur.

© SZ
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