50 Jahre Olympia-Attentat:Eine Bilanz voller Scham

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50 Jahre Olympia-Attentat: Die Katastrophe war erst ein paar Stunden her, da gab es schon die Trauerfeier: das Olympiastadion am Vormittag des 6. September 1972.

Die Katastrophe war erst ein paar Stunden her, da gab es schon die Trauerfeier: das Olympiastadion am Vormittag des 6. September 1972.

(Foto: imago sportfotodienst/imago sportfotodienst)

Um Mitternacht des 5. September 1972 starben die israelischen Geiseln in Fürstenfeldbruck, um 16.30 Uhr gingen die Spiele weiter. Heiter wollten sie sein, seelenlos wurden sie.

Kommentar von Holger Gertz

Zum fünfzigsten Mal jährt sich am Montag das Attentat bei den Olympischen Spielen von München. Jeder kennt den Hergang: Terroristen des palästinensischen Kommandos "Schwarzer September" überfielen das israelische Team im Olympischen Dorf, am Ende waren elf Israelis tot. Zum Jahrestag sind Regalbretter voller neuer Bücher und Analysen erschienen, TV-Dokumentationen, Podcasts. München 1972 ist wie ein Film, der immer wieder abläuft, aber auch immer noch Neues offenbart. Archive haben weiteres Material freigegeben, Zeitzeugen haben über das Versagen deutscher Organisatoren offen geredet. Wer vieles davon angeschaut und gelesen hat, der hinterfragt womöglich ältere, lange für belastbar gehaltene Leitsätze. "The games must go on" ist so einer, verfügt seinerzeit, bei der Trauerfeier im Olympiastadion, vom antisemitisch mehr als angehauchten Avery Brundage, Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die Spiele müssen weitergehen. Aber mussten sie?

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