Mali:Die Folgen von 2011

Lesezeit: 1 min

Es ist richtig, den Ausbildungseinsatz von EU-Truppen dort zu beenden. Soldaten lösen ohnehin nicht die vom Westen geschaffenen Probleme.

Von Bernd Dörries

Außenministerin Annalena Baerbock trifft am Mittwoch in Mali wahrscheinlich den ersten Putschisten ihrer jungen Amtszeit. Womöglich fargt sie nach, wie es um die Deutschkenntnisse von Assimi Goïta steht, der drei Monate im Bundesprachenamt von Köln-Hürth einen Deutschkurs besuchte. Viel soll nicht hängen geblieben sein, berichten Diplomaten, die ihn in den vergangenen Monaten gesehen haben. Sehr viel hängen geblieben ist auch nicht von zwei weiteren Offizierslehrgängen, die er in Deutschland absolvierte, in denen es auch um die Rolle des Militärs in der Gesellschaft ging. Goïta sieht nicht die Bundeswehr als Vorbild, er putschte sich zwei Mal an die Macht und holte russische Söldner der Wagner-Truppe ins Land. Es ist deshalb richtig, dass die EU den Ausbildungseinsatz für die malische Armee in seiner jetzigen Form beendet. Man kann nicht Seite an Seite mit den Wagner-Söldnern eine zweifelhafte Armee trainieren.

Gelöst ist damit aber keines der Probleme Malis und der ganzen Sahel-Zone. Die haben ihren Ursprung letztlich vor allem in der Entscheidung der Nato von 2011, den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi aus dem Amt zu bomben. Aus dem zerfallenden Land im Norden strömten seine Kämpfer und Islamisten in die Sahel-Zone, machten aus recht stabilen Demokratien eine Zone, über die die Staaten inzwischen die Kontrolle verloren haben. Europa hat seitdem viele Soldaten geschickt, um die Lage einigermaßen in den Griff zu bekommen und zu verhindern, dass sich die Migranten nach Europa aufmachen.

Es hat aber viel zu wenig getan, um die wirtschaftliche Situation der Menschen zu verbessern, deren einzige Perspektive es oft ist, sich einer bewaffneten Gruppe anzuschließen, was die Lage immer schlimmer macht. Man muss einen neuen Ansatz finden, und sich zum Beispiel überlegen, ob der Aufbau eines funktionierenden Stromnetzes nicht viel mehr verbessern würde als ständig neue Militäreinsätze.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB