Streik:Die Lufthansa-Piloten leben in ihrer eigenen Blase

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Streik: Viele Lufthansa-Maschinen werden am Freitag wieder am Boden bleiben. Die Piloten streiken erneut.

Viele Lufthansa-Maschinen werden am Freitag wieder am Boden bleiben. Die Piloten streiken erneut.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Die Flugzeugführer wollen wieder einmal streiken, trotz sehr guter Bezahlung. Das ist unverständlich.

Kommentar von Jens Flottau

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Piloten der Lufthansa in ihrer eigenen Blase leben, die sehr weit von der Realität der meisten anderen Arbeitnehmer entfernt ist, dann haben sie den nun selbst geliefert. Am Freitag streiken sie wieder einmal. Die Lufthansa muss 800 Flüge absagen, 130 000 Passagiere sind davon betroffen, unpassenderweise in mehreren Bundesländern auch noch zum Ende der Sommerferien.

Nun gibt es aus Passagiersicht natürlich nie einen guten Tag für einen Pilotenstreik. Aber der Ausstand ist auch deswegen unverständlich, weil die Lufthansa der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit in den Verhandlungen offenbar schon sehr weit entgegengekommen war und bei einem besseren Klima die letzten Hürden zu einer Einigung auch noch zu überwinden gewesen wären. Längst ist auch dem Management klargeworden, dass die Piloten im Moment angesichts der riesigen Nachfrage im Luftverkehr in einer besonders guten Verhandlungsposition sind.

Auf beiden Seiten wurden in der Vergangenheit Fehler gemacht

Es rächen sich jetzt aber Fehler der Vergangenheit, die mit den Gehältern nichts zu tun haben. Lufthansa hat eine langjährige Vereinbarung gekündigt, die den Piloten eine Mindestzahl an Flugzeugen garantiert hatte, die bei der Kernmarke Lufthansa fliegen. Nun will sie eine neue, günstigere Tochterfirma gründen, die die Gewerkschaft als Bedrohung betrachtet. Die Piloten wiederum waren während der Corona-Pandemie, gelinde gesagt, nicht kooperativ. Auf beiden Seiten haben sich jede Menge Wut und Misstrauen aufgestaut. Die Wut bei den Piloten musste jetzt offenbar einfach einmal raus.

Wie das alles überhaupt sein kann bei Endgehältern bis an die 300 000 Euro und Einstiegslöhnen, die die meisten anderen Arbeitnehmerinnen, zum Beispiel beim Check-in, nicht einmal bis zur Rente erreichen? Und all das in dieser bedrohlichen Wirtschaftslage? Die Blase ist offenbar sehr dicht. Vielleicht auch zu dicht, denn bei zu hohen Forderungen wird Lufthansa erst recht versuchen, weitere Ableger zu gründen.

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