Aktuelles Lexikon:Vertrag von Montreux

Ein Abkommen aus der Zwischenkriegszeit, das dem türkischen Staat viel Gewicht verleiht.

Von Tomas Avenarius

Wenn die Türkei nun die Wasserstraße aus Bosporus und Dardanellen für fremde Kriegsschiffe schließt, wird sie den Zorn der Schwarzmeer-Macht Russland wecken: Nur über die türkischen Meeresengen können Schiffe zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer - und von dort in die Ozeane - fahren. Die Durchfahrt ist geregelt im Vertrag von Montreux. Das Abkommen von 1936 ist eine Nachgeburt des Ersten Weltkriegs und der Zerschlagung des Osmanischen Reiches, die türkische Republik gewann mit Montreux auch die Souveränität über die Meeresengen zurück. Geschlossen wurde das Abkommen zwischen Ankara, Moskau, London, Paris, Sofia, Athen, Bukarest, Belgrad, Tokio und Canberra, Rom schloss sich 1938 an, Washington gehört nicht dazu. In Friedenszeiten müssen sich sowohl Handelsschiffe als auch Kriegsschiffe zur Passage anmelden. Kriegsschiffe dürfen nur bis zu einer bestimmten Tonnage passieren, Flugzeugträger sind ausgeschlossen, Schiffe von Nicht-Schwarzmeer-Staaten dürfen nur 21 Tage im Schwarzen Meer bleiben. Anders in Kriegszeiten: Führt Ankara Krieg, kann es die Wasserstraße total sperren. Ist die Türkei nicht in den Konflikt verwickelt, gilt für Militärschiffe von Anrainern eine Ausnahme: Auch in Kriegszeiten dürfen sie zurückkehren in den Heimathafen am Schwarzen Meer, etwa in Südrussland.

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