Migration:Auf Kosten der Kinder

Seit Monaten sitzen minderjährige Migranten in Ceuta fest. Nun zeichnet sich eine Lösung ab. Doch eine Rückkehr in ihr altes Leben ist für viele Kinder und Jugendliche keine Option.

Von Karin Janker

Es war ein zynisches Spiel, das Marokko Mitte Mai mit rund 10 000 Menschen getrieben hat: Für ein paar Stunden hinderte kein Grenzbeamter auf marokkanischer Seite einen daran, die Grenze zur spanische Exklave Ceuta zu überqueren. Tausende folgten dem Ruf, Marokko hatte ein Exempel statuiert und den Druck auf Spanien erhöht. Die meisten Migranten wurden sofort wieder abgeschoben. Doch für die besonders Vulnerablen, die Kinder und Jugendlichen, ging das zynische Spiel in die Verlängerung.

Diese zog sich über die vergangenen drei Monate hin, Hunderte unbegleitete Minderjährige saßen in Ceuta fest. Ohne angemessene Unterkunft, vor allem aber ohne Perspektive. Weder vorwärts noch zurück ging es für sie, solange Spanien und Marokko im Clinch lagen.

Nun scheint ein Durchbruch in der diplomatischen Krise erreicht zu sein, ein Abkommen zur Rückführung getroffen. Die sich abzeichnende Lösung ist ein Erfolg, doch dieser darf nicht auf Kosten der Kinder gehen. Für manche von ihnen ist die Rückkehr in ihr altes Leben keine Option: Rund ein Viertel der Minderjährigen flüchtete vor Gewalt, einige Mädchen vor einer Zwangsheirat, berichten die Helfer in Ceuta. Ob bei den nun begonnenen Massenabschiebungen auf jeden dieser kritischen Fälle eingegangen werden kann, muss bezweifelt werden.

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