Integrationsgipfel:Braucht keiner

Diese Veranstaltung ist vielleicht gut gemeint. Nötig aber wäre etwas ganz anderes.

Von Constanze von Bullion

Die Kanzlerin hat zum letzten Integrationsgipfel geladen. Fände er nie mehr statt, es wäre kein Verlust. Denn das Treffen, bei dem Menschen aller Hautfarben Wünsche äußern dürfen und an ihre Integrationspflichten erinnert werden, hat sich als eher nutzlos erwiesen, leider.

Dabei fehlt es nicht an gutem Willen. Was fehlt, ist interkulturelle Übung in Deutschland. Der Gipfel erinnerte oft an ein Proseminar, mit Studierenden aus der weißen Mehrheitsgesellschaft. Die Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz etwa hat gelernt, dass es kein weißes "Wir" und kein dunkleres "Ihr" gibt in Deutschland. Oho. Und die Kanzlerin weiß nun, dass beim Zusammenrücken auch die Mehrheit rücken muss. Glückwunsch.

Es wird zu sehr getrödelt auf dem Weg zur Einwanderungsgesellschaft. Das aber kann sich Deutschland nicht leisten. In Armeleutevierteln sind enorme Bildungsdefizite zu überwinden. Deutschland braucht ein Antidiskriminierungsgesetz, das Zurücksetzung wegen äußerer Merkmale bestraft, auch bei der Polizei. Einwanderung und Teilhabe gehören in ein eigenes Regierungsressort. Denn im Innenministerium läuft immer alles unterm Oberthema Gefahrenabwehr; da ist das Thema gleich bei der Kriminalität einsortiert. Aber auch die Nachkommen Eingewanderter müssen lauter werden. Chancengleichheit gab es nie umsonst. Sie wird erstritten.

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