Holocaust-Gedenken:Er tritt in große Fußstapfen

Neuer Direktor für Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Dani Dayan ist der neue Direktor der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem, die die Erinnerung an den Holocaust wachhalten soll.

(Foto: NoamMosko(C)/dpa)

Der neue Chef der Gedenkstätte Yad Vashem, Dani Dayan, kommt aus der Siedlerbewegung.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Es hätte noch schlimmer kommen können - sagen diejenigen, die sich Sorgen um Yad Vashem machen. Denn mit Effi Eitam sollte ein ultrarechter General und Ex-Minister zum neuen Vorsitzenden der weltweit wichtigsten Holocaust-Gedenkstätte bestellt werden. 800 Wissenschaftler sowie Mitarbeiter von jüdischen Gedenkstätten und Museen hatten gegen Eitams Berufung protestiert.

Nun wird es nach Zustimmung der israelischen Regierung Dani Dayan, der frühere Sprecher der Dachorganisation der jüdischen Siedler, des Jescha-Rats. Er trägt einen großen Namen: Väterlicherseits ist er mit Mosche Dayan verwandt, dem durch seine Augenklappe bekannten General aus der Zeit des Sechs-Tage-Kriegs 1967. Seine Kusine Ilana Dayan ist eine in Israel bekannte Investigativ-Journalistin.

Die Zustimmung der von Naftali Bennett geführten Regierung galt als sicher. Denn auf der Liste von Bennetts Partei Jüdisches Heim, die den Siedlern nahesteht, hatte Dayan 2015 versucht, einen Sitz im Parlament zu erringen - vergeblich. Zuvor war Dayan bei der ultranationalistischen Tehiya-Partei als Generalsekretär tätig und war zwei Mal an der Hürde für den Einzug in die Knesset gescheitert. Vergangenen März kandidierte der 65-Jährige noch einmal, diesmal für die Partei Neue Hoffnung des jetzigen Justizministers Gideon Saar, die sich vom rechtsnationalen Likud abgespalten hat - es reichte abermals nicht.

Als Vertreter der rund 300 000 Siedler, die er zwischen 2007 und 2013 anführte, trat Dayan gegenüber Politikern als Hardliner und Gegner einer Zwei-Staaten-Lösung auf. Er selbst lebt in einer Siedlung, in Maale Schomron, und das seit 35 Jahren. Seine Frau Einat arbeitet in der Verwaltung der Universität von Ariel, der größten Siedlung im Westjordanland.

Als 15-Jähriger war er aus Argentinien kommend nach Israel ausgewandert. Nach dem Studium der Informatik und Wirtschaftswissenschaften baute Dayan das Software-Unternehmen Elad auf, ehe er wie sein Vater in die Diplomatie einstieg. Die von Benjamin Netanjahu geführte Regierung wollte ihn 2015 als Botschafter nach Brasilien schicken, aber die damals linke Regierung zögerte die Akkreditierung so lange hinaus, bis Israel jemand anderen bestellte.

Dayans Selbstbeschreibung lautet "jüdisch zionistisch, national und liberal"

Dayan bekam stattdessen den prestigeträchtigen Posten des Generalkonsuls in New York. Der säkulare Jude, der sich selbst als "jüdisch zionistisch, national und liberal" beschreibt, profilierte sich als Brückenbauer zwischen progressiven und konservativen Juden. Colette Avital, die frühere Knesset-Abgeordnete und Vorsitzende der Zentralorganisation der Holocaust-Überlebenden, lobt ihn als "Mann mit weitem Horizont".

Viele der rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Yad Vashem stehen ihm deutlich skeptischer gegenüber. Sie verweisen darauf, dass er keine Erfahrungen in der Holocaust-Forschung oder in der Vermittlung von Themen hat, für die Yad Vashem steht. Er tritt in große Fußstapfen: Sein Vorgänger Avner Shalev trat mit 82 Jahren nach mehr als einem Vierteljahrhundert an der Spitze der Institution in den Ruhestand. Shalev scheute auch nicht vor Kontroversen mit der Regierung von Langzeit-Premierminister Benjamin Netanjahu zurück.

In den vergangenen Jahren wurde intern immer häufiger darüber diskutiert, ob nicht die Gedenkstätte für politische Zwecke missbraucht werde. Denn Netanjahu lud Politiker ein, die offen Hitler und Militärdiktaturen bewundern, gegen Minderheiten hetzen und antisemitische Kampagnen propagieren - und die mussten dann durch Yad Vashem geführt werden.

Shalev galt als Garant für die Unabhängigkeit und die liberalen Prinzipien von Yad Vashem, Dayan muss angesichts seiner Biografie Skeptiker erst überzeugen. Seine Aufgabe bezeichnet er als "Mission, die ich mit Ehrfurcht und Ehrerbietung übernehme".

© SZ/kia
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