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Pandemie-Management:Und es wird noch schwerer

Die Corona-Lage ist düster. Wenn es trotzdem so mühsam ist, das eigentlich Notwendige durchzusetzen, dann ist das auch ein Ergebnis politischer Fehler.

Von Henrike Roßbach

Jeder Tag zählt, hat der Gesundheitsminister am Donnerstag gesagt, und wo Jens Spahn recht hat, da hat er recht. Nur: Dass er und RKI-Chef Lothar Wieler jetzt, im 13. Monat der Pandemie, gut drei Monate nach dem Impfstart und gut fünf nach dem "Lockdown light" mahnen, appellieren, ja flehen müssen - das ist nicht allein die Schuld von B 1.1.7 oder jener Bürger, die einen Rotweinabend mit guten Freunden noch immer für eine prima Idee und ihren Bürostuhl für schlicht bequemer halten als den daheim am Esstisch.

Dass die Lage ist, wie sie ist, und dass es schwer geworden ist, den Bürgern wie den Regierenden das Notwendige abzuringen - das ist auch ein Ergebnis falscher politischer Prioritäten, aus dem Ruder gelaufener Abstimmungsprozesse und einer sehr deutschen Unfähigkeit, auf Improvisation statt Gründlichkeit zu setzen.

Denn je mehr Jahrestage jeder Bürger erlebt - der zweite Kindergeburtstag ohne Kinder, das zweite Osterfest ohne Opa, das zweite Schulkind ohne Abiball -, desto müder werden die Menschen. Im Herbst wäre es wohl noch leichter gewesen, die Bürger zu einem Kraftakt wie im Frühjahr 2020 zu bewegen; vielleicht mit anderen Prioritäten (Schule statt Baumarkt), in jedem Fall aber mit einer realistischen Perspektive auf Besserung. Jetzt aber wird es schwer. Mit oder ohne Bundeslockdown.

© SZ
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