Aktuelles Lexikon:Bratwurst

Sie ist so beliebt, dass sie in Thüringen als erfolgreiches Lockmittel zum Impfen dient.

Von Joachim Käppner

Es gibt in Bayern nicht nur ein jahrhundertealtes Reinheitsgebot für Bier, sondern auch für Bratwürste - jedenfalls in Nürnberg. Bereits 1313 wurde in einer Satzung des Stadtrates ein Fleischbeschauer mit dem amtlichen Titel "Würstlein" bestellt. Dieser hatte unter anderem eine Bratwurstküche namens "Glöcklein" zu beaufsichtigen, wozu es offenbar einigen Anlass gegeben hatte. Wie das Bier zählt die Bratwurst zu den kulinarischen Errungenschaften der eher gröberen Natur, die aus Sicht anderer Nationen typisch deutsch sind. Sie war bereits im Mittelalter weit verbreitet, auch in Nürnberg, das gern als Bratwurst-Metropole bezeichnet wird, standen die Verkaufsbuden um die großen Kirchen herum. Die Bratwurst ist weiterhin so beliebt, dass die Stadt Sonneberg in Thüringen nun durch das Angebot einer kostenlosen Wurst zahlreiche Menschen zum Impfen lockte. Bratwürste gibt es in roher oder gebrühter Form, sie enthalten eine im Fleischwolf zerkleinerte Fleischmasse mit Kräutern und Gewürzen, die in tierische Därme gefüllt wird. Das Fleisch kann gemischt sein oder rein wie bei der Rindsbratwurst. Verloren gegangen ist leider das schöne alte Wort "bratwurstieren", das sich verwandelt hat in "den Braten riechen", also einen Betrug wittern. Auch das ursprüngliche "Glöcklein" in Nürnberg gibt es nicht mehr, doch muss deshalb niemand verzichten: Ein Traditionslokal trägt den Namen fort.

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB