Aktuelles Lexikon:Financial Intelligence Unit

Klingt wie eine US-Serie, ist aber eine deutsche Behörde, bei der Verfolgung von Geldwäsche bisher mäßig erfolgreich.

Von Cerstin Gammelin

Zwanzig Jahre ist es her, da hat man einer deutschen Behörde einen Namen gegeben, der einer amerikanischen Fernsehserie würdig wäre. Heute weiß man: Das hat nicht ausgereicht, um sie schlagkräftig zu machen. Die deutsche Financial Intelligence Unit ähnelt, vergleicht man ihre Ermittlungsergebnisse, nicht erfolgreichen TV-Ermittlern. Sondern einer staatlichen Dienststelle, von der man weiß, dass sie bislang nicht richtig funktioniert - aber offenbar nicht den Ehrgeiz hat, das schnellstens zu ändern. Praktisch seit ihrer Gründung stranden bei der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen, wie die FIU im Behördendeutsch genannt wird, jährlich Tausende Verdachtsmeldungen über Geldwäsche, Finanz-, Wirtschafts- und Steuerkriminalität. Banken, Finanzberater, Broker oder Notare leiten den Finanzpolizisten Hinweise zu, wenn sie vermuten, ihre Klienten könnten Geld waschen oder Terroraktionen planen. Druckte man das alles aus, könnte man die Behörde wohl inzwischen damit zuschütten. Dass die meisten Fälle nie auf den Schreibtischen der Kriminalämter landen, die mutmaßliche Straftäter dingfest und Schwarzgeld eintreiben könnten, hat sich unter Mafiosi und Wirtschaftskriminellen rumgesprochen. Deutschland ist ihr Lieblingsplatz für Geldwäsche in Europa.

© SZ/jsl
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