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Zweite Staffel "Sing meinen Song" auf Vox:Nasenbluten garantiert

Sing meinen Song - Das Tauschkonzert

Neue Staffel, andere Teilnehmer (von links): Andreas Bourani, Christina Stürmer, Daniel Wirtz, Gastgeber Xavier Naidoo, Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel (Die Prinzen), Yvonne Catterfeld und Hartmut Engler (Pur).

(Foto: Vox/Markus Hertrich)

Was für Stefan Raab ironisches Mittel ist, meint Vox todernst: Bei "Sing meinen Song" gehört Dauerwerbung nicht zum Konzept - es ist das Konzept. Schade um eine gute Showidee.

Von Johanna Bruckner

Superlative in der Werbung sind out, weil nun wirklich niemand mehr auf das Versprechen vom "weißesten Weiß" hereinfällt? Pah. Bei Vox gilt trotzdem das Marketing-Motto: immer voll auf die Zwölf. Die Werbeoffensive für die zweite Staffel Sing meinen Song - Das Tauschkonzert hat ihren Höhepunkt in der Sendung Prominent, die unmittelbar davor läuft. Gleich zwei Beiträge in dem nur 15-minütigen Format weisen auf Sing meinen Song hin. Und in der Werbepause läuft ein Trailer mit O-Tönen der neuen Teilnehmer - "magisch", "sensationell", "ich würd's wieder tun".

Da ist Nasenbluten garantiert, und die Flecken bekommt kein Wunderwaschmittel wieder heraus.

Für ergreifende Momente sind sich die Künstler zu ähnlich

Das Format nach niederländischem Vorbild, das im vergangenen Jahr erstmals auf Vox lief, war ein Quotenerfolg für den kleinen Privatsender. Durchschnittlich knapp zwei Millionen Zuschauer wollten sehen, wie Xavier Naidoo und sechs andere deutschsprachige Sängerinnen und Sänger die Songs der jeweils anderen Musiker interpretierten. Der Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag um drei Prozentpunkte höher als im Vox-Durchschnitt.

Die Gründe für die penetrante Vermarktung der Musikshow liegen also auf der Hand. Und vielleicht würde man die schmerzende Nase sogar in Kauf nehmen, wäre abzusehen, dass die neue Ausgabe in Sachen musikalische Qualität und Emotionalität an die Vorgängerstaffel heranreicht. Aber nach der Auftaktsendung ist klar: Einen Moment wie im vergangenen Jahr, als der Soulsänger Xavier Naidoo mit seiner Version des Lieds "Amoi seg ma uns wieder" des selbsternannten "Volks-Rock'n'Rollers" Andreas Gabalier zu Tränen rührte, wird es eher nicht geben. Dazu sind sich die Künstler zu ähnlich.

Die Hits sind entweder rar oder schon lange her

Ja, Hartmut Engler von Pur wäre mit seinem Abenteuerland-Kitsch-Vokabular auch im Musikantenstadl willkommen, während Daniel Wirtz auf das "Rock-" vor dem Musiker Wert legt und in seinen Songs schon mal Anal-Metaphern verwendet. Aber im Prinzip passt "Deutschpop" auf alle Teilnehmer - ob nun Yvonne Catterfeld, Andreas Bourani, Christina Stürmer oder Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel von den Prinzen. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Die Hits sind entweder rar oder schon lange her.

Yvonne Catterfeld, deren Songs in der ersten Sendung neu eingesungen werden, stand 2003 mit "Für dich" auf Platz eins der Charts. Und dann? Schon mal von "Erinner mich dich zu vergessen" gehört (aus dem Jahr 2006)? Oder "Pendel" (aus dem Jahr 2013)? Je unbekannter die Lieder, desto weniger überraschend die Coversongs, desto egaler das Konzept von Sing meinen Song. Da reißt es auch ein Xavier Naidoo nicht mehr heraus, der erneut den Gastgeber gibt vor der malerischen Kulisse einer Kapstadter Villa, der aber eben auch immer klingt wie: Xavier Naidoo.

Dauerwerbesendung ohne entsprechenden Disclaimer

Von der Tauschkonzert-Idee ist nicht viel übrig in Staffel zwei, das Ganze wirkt eher wie eine Selbstvermarktungsplattform zur besten Sendezeit. Pur: Best-of-Album seit vergangener Woche auf dem Markt, Vorverkauf für die Tour im Winter 2015 läuft. Christina Stürmer: Best-of-Album seit vergangener Woche auf dem Markt. Andreas Bourani: Sondereditionen der ersten beiden Alben in dieser Woche. Die Prinzen: neues Album in dieser Woche. Und so weiter, und so fort.

Einzig Yvonne Catterfeld steckt in der künstlerischen Sinnkrise, kann ihren größten Hit "Für dich" nach eigener Aussage heute nicht mehr hören. Aber das ist auch nicht wirklich neu, wir erinnern uns: Sarah Connor, im vergangenen Jahr. Die singt jetzt auf Deutsch, ihr Album "Muttersprache" wird - Überraschung - am Freitag veröffentlicht. Früher startet ein anderer Ex-Tauschkonzert-Teilnehmer seine neue Karriere: Gregor Meyle darf in "Meylensteine" auf den "Spuren deutscher Musikgeschichte" wandern, die Sendung läuft nach Sing meinen Song am späten Dienstagabend.

Was für Stefan Raab ironisches Mittel ist, meint Vox offenbar todernst: Das ist eine Dauerwerbesendung, nur ohne entsprechenden Disclaimer links oben im Eck. Aua.

© SZ.de/mikö/sks

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