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ZDF-Film über Leo Kirch:"Befreien Sie mich von Leo Kirch"

Auch Mathias Döpfner, der Vorstandschef der Axel Springer AG, erscheint und resümiert: "Kirch ist am Ende an dem Wunsch, alles zu haben, gescheitert." Dabei war er es, der den Münchner Unternehmer 2002 ernsthaft in Gefahr gebracht hatte. Verlagserbin Friede Springer hatte Döpfner den Auftrag gegeben: "Befreien Sie mich von Leo Kirch." Der war mit 40 Prozent Großaktionär und kam dem Berliner Verlag gefährlich nahe. Das tat Döpfner, dazu kam der damalige Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, der in einem Fernsehinterview (das die Bank und ihn teuer zu stehen kam) öffentlich die Kreditwürdigkeit Kirchs anzweifelte. "Erschossen hat mich der Rolf", hat Kirch später gesagt.

Interessant ist auch, wer alles nicht auftaucht. Breuer stand nicht zur Verfügung, aber auch keiner der Akteure aus dem innersten Führungskreis, die zuletzt für Leo Kirch gearbeitet haben, wollte sich äußern. Fred Kogel, Georg Kofler, Dieter Hahn, Jan Mojto, Bernhard Burgener, Werner Klatten - alle erteilten eine Absage, sagt Jürgs. Begründung: "Kein Interesse."

Es lohnt sich übrigens, bis zum Ende dranzubleiben. Jürgs weiß, wie man einen Spannungsbogen aufbaut. Er hat für die Münchner Abendzeitung gearbeitet, war Chefredakteur der Illustrierten Stern und bei Tempo, schrieb Bücher über Romy Schneider, über Günter Grass und die Treuhandanstalt. Und so hat der Journalist ganz am Ende noch eine kleine Überraschung für die Zuschauer parat. Denn da taucht plötzlich der Name von Michael Kirch, 54, auf, ein bislang unbekannter unehelicher Sohn. Dessen Mutter war einst die Sekretärin des Katholiken Leo Kirch. Sohn Michael, der an der Uni München am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Didaktik arbeitet, wollte sich selbst aber nicht filmen lassen.

Bemerkenswert ist übrigens auch, dass gerade das ZDF diese Dokumentation zeigt, fing doch mit dem öffentlich-rechtlichen Sender der eigentliche Aufstieg Kirchs an. Er kam "wie ein fahrender Händler" und verkaufte den Mainzern das, was die so dringend brauchten: Filme und Serien. Die Abhängigkeit war hoch, zeitweise stammte ein Drittel des ZDF-Programms aus dem Hause Kirch, der daran wiederum sehr, sehr gut verdiente. So brachte 1976 der Spiegel eine Titelgeschichte über das ZDF mit der Titelzeile: "Im Würgegriff von Leo Kirch." Und RTL-Gründer Helmut Thoma darf sagen: "Das ZDF hat ihm gehört."

Der große Zampano - Wer war Leo Kirch?, ZDF, 22.45 Uhr.

© SZ vom 12.12.2017/cag

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