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Neue Staffel "Westworld":Wir sind uns ähnlich

Westworld Staffel 3 drei Sky

Aaron Paul sitzt als Caleb Nichols mit einem Bauarbeiter-Roboter auf einer Baustelle.

(Foto: HBO)

Die dritte Staffel der Sci-Fi-Thriller-Serie "Westworld" betont, was Mensch und Roboter verbindet: In Zeiten digitaler Herrschaft gehört ihnen ihr Leben nicht selbst.

Dass Westworld ausgerechnet in einer Western-Welt spielte, also dem traditionellen Ort simpler Gut-gegen-Böse-Geschichten, war schon immer der durchsichtigste Versuch jener Irreführungen, an der diese Serie einen solchen Spaß hat. Nie konnte es in den ersten beiden Staffeln genug Zeitebenen geben, deren Grad an Ineinanderverschachteltheit erst kurz vor dem Staffelfinale offenbar wurde. Oder Figuren, die man für Menschen gehalten hatte und die sich als Roboter entpuppten. Immer gab es irgendwo noch eine höhere Ebene von Kontrolle und finsteren Absichten hinter dem Vergnügungspark, in dem Superreiche an Hightech-Robotern ihre ziemlich eintönigen Fantasien ausleben konnten: Mord oder Vergewaltigung.

Die dritte Staffel, die jetzt bei Sky zu sehen ist, ist anders. Mit der Flucht von Androidin Dolores (Evan Rachel Wood) aus dem Park in die echte Welt beginnt ihr Rachefeldzug gegen die Menschen, die Roboter wie sie unterdrücken. Simpel wird der sicher nicht, soviel ist nach den ersten vier Folgen, die vorab zu sehen waren, klar. Aber die beinahe lüsterne Begeisterung, mit der eine Kumpanin von Dolores ihre Hand auf die Stahlhülle eines reihenhaushohen Panzerroboters legt, zeigt, dass es erzähltechnisch in Westworld nun etwas robuster zugeht.

Das einzige, was diese Revolution der Roboter noch aufhalten könnte, wäre wohl Dolores' Erkenntnis, dass nicht alle Menschen blutrünstige Egomanen sind. Die beschert ihr der Teilzeit-Bauarbeiter und traumatisierte Kriegsveteran Caleb (Aaron Paul in einer gereiften Version seiner Rolle als Hilfsdrogist Jesse Pinkman in Breaking Bad), als er sie vor den Schergen eines Tech-Milliardärs rettet. Caleb ist dann auch die Identifikationsfigur, die das Publikum braucht, um bei Dolores' Ein-Frau-Feldzug gegen die Menschen mitzufiebern. Er ist geschunden vom Leben wie die Westworld-Bewohner und Gefangener eines Narrativs, das andere für ihn geschrieben haben.

In der Welt der Zukunft entscheiden Algorithmen, welche Chancen ein Mensch im Leben bekommt. Wenn jemand auf ein paar Jahre psychischer Beeinträchtigung zurückblickt wie Caleb nach seinem Kriegstrauma, berechnet der Supercomputer des Oberbösewichts Engerraund Serac (Vincent Cassel) aus gewaltigen Mengen persönlicher Daten, dass es sich nicht mehr lohnt, in so einen Loser zu investieren.

Das ist nämlich die eigentliche Botschaft dieser Serie und besonders der neuen Staffel: Es sind nicht mehr die Menschen, die über versklavte Maschinen herrschen. Das Verhältnis hat sich längst umgekehrt. "Wir sind uns ähnlich", sagt Dolores zu Caleb, als sie auf dem Pier stehen, von dem der Computer sicher ist, dass Caleb sich dort in zwölf Jahren das Leben nehmen wird. Wer in Westworld Mensch ist und wer Maschine, das ist weiterhin im philosophischen wie im praktischen Sinne unklar. Dolores gewinnt nämlich nicht nur bald in Caleb einen Verbündeten. Sie hat sich auch selbst welche gebaut.

Neben der erfrischenden Geradlinigkeit beim Erzählen beeindruckt die Serie auch visuell auf neue Weise. Die Großstädte der Zukunft sind eine Collage aus all jenen schon heute existierenden internationalen Imponierbauten, die ein bisschen arg aufdringlich nach Zukunft aussehen. Von Santiago Calatravas Kunststadt in Valencia bis zu den drei Türmen mit darüber gespanntem Dachgarten in Singapur. Auch hier zeigt Westworld wie genau es weiß, dass es die Gegenwart zeigt.

Westworld, Staffel 3, montags um 20.15 bei Sky.

© SZ.de/luch
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