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WDR-Intendantin vor Wiederwahl:Kaum Nachhaltiges

Bei der grundsätzlichen Frage, ob die ARD einen Jugendsender - vergleichbar dem Modell ZDF Neo - brauche oder nicht, entzweite sich Piel mit SWR-Intendant Peter Boudgoust so sehr, dass nun sowohl Eins Festival als auch Eins Plus ein bisschen auf jung getrimmt werden. Piel ist gegen einen Jugendsender, Boudgoust kämpfte dafür.

SWR-Chef Boudgoust war vor Piel ARD-Vorsitzender, er hat in seinen beiden Amtsjahren die Tagesthemen wochentags auf eine zeitliche Linie gebracht und organisierte den Wandel zur geräteunabhängigen Rundfunkgebühr, der Haushaltsabgabe. Nachhaltiges wird Piel kaum überlassen, wenn sie den ARD-Vorsitz im Januar 2013 an den ARD-Intendanten Lutz Marmor vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) weiterreicht.

Bestenfalls ungeschickt taktierte sie im Konflikt um Reformen bei der Kulturradiowelle WDR 3. Den Protestbrief, den mehr als 18.000 Hörer unterschrieben, beantwortete sie nicht selbst und ließ ihren Hörfunkdirektor schwadronieren.

Auch in etlichen Arbeitsprozessen erlitt der WDR schmerzliche Niederlagen. Das ist Sache der Justiziare, aber es fällt in Piels Amtszeit. Am Fall des vom Sender ferngehaltene Redakteurs, der wieder beschäftigt werden musste (was Hunderttausende Euro kostete), war Piel nah dran. Der WDR klammerte sich zu lange an eine offensichtlich aussichtslose Berufung. Nicht nur wegen solcher Vorgänge darf die Stimmung im einst innovativen und selbstbewussten Kölner Sender als eher mäßig bezeichnet werden.

Da fügt sich ins Bild, dass Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff das WDR-Fernsehen mit pseudoregionalen Ratingshows und weichgespülten Magazinen auf erfolgreiche Belanglosigkeit trimmt - was in scharfem Kontrast zu Piels Beteuerungen steht, man sehe sich in erster Linie der Qualität verpflichtet - also nicht zuerst der Quote.

Eines der wichtigsten WDR-Themen Piels ist bisher das Sparen gewesen. Gebetsmühlenartig wiederholt sie, welche Summen dem Sender bald nicht mehr zur Verfügung stünden. Als ARD-Vorsitzende ist sie vor allem aufgefallen durch regelmäßige Dementi. Immer wieder war da etwas, das die Chefin richtigzustellen hatte. Zeit für offensive Bestrebungen blieb nicht, und so hört man aus den Reihen ihrer Mitintendanten ein sehr beredtes Schweigen, wenn es um sie geht.

Alles gut gelaufen also? Sicher nicht, aber nun kommen ja offenbar noch ein paar Jahre, kommt also genug Zeit, um den Beweis des Gegenteils zu liefern.

© SZ vom 29.05.2012/cag
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