Verlage im Streit mit Google:Exemplarischer Streit für die Konflikte zwischen zwei Welten

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Der Streit ist nicht nur wegen seines kuriosen Endpunktes so interessant, sondern auch, weil er exemplarisch ist für Konflikte, die zwischen den neuen, digitalen Playern wie Google und althergebrachten Branchen entstehen, die unter massivem Druck ihre Geschäftsmodelle neu justieren müssen. Dabei zeigt jeder Akteur, was er kann.

Die Presseverleger lobbyierten in Berlin, bis ein Gesetz zustande kam, auf dessen Anwendung sie nun selbst verzichten. Dabei konnten sie zur Hälfte auf das angekratzte Image bauen, das sich Google in Deutschland bei Themen wie Datenschutz, Transparenz und Marktmacht erworben hat. Die andere Hälfte dürfte ohnehin existierendes Misstrauen vor amerikanischen Unternehmen gewesen sein, die mit nur schwer verständlichen Geschäftsmodellen ganze Märkte aufrollen und mit Produkten wie selbstfahrenden Autos und digitalen Brillen viele Menschen verunsichern.

Google schaltet ganzseitige Anzeigen in Zeitungen

So konnte das Narrativ entstehen: Wenn die Verlage immer weniger Umsatz machen und Google, zumal auch irgendwie mit Nachrichten, immer mehr, wäre es dann nicht fair, wenn der Neue den Alten etwas abgeben muss?

Google wiederum demütigte die Verlage, in dem die PR-Abteilung in ganzseitigen Anzeigen gegen das Leistungsschutzrecht hetzte, Anzeigen, die auch in den Zeitungen jener Verlage geschaltet wurden, deren Verleger für das Gesetz eintraten. Eine Zeitungsseite Werbung ist ganz schön viel Geld für einen darbenden Verlag. Für Google ist es ein gelungener Witz.

Die Netzgemeinde lacht

Als Chor verdingte sich in der Komödie ein Teil der Netzgemeinde, der zeitweise sämtliche Redaktionen und Zeitungen über einen Kamm scherte, auch solche, in denen gegen das Leistungsschutzrecht kommentiert wurde und auch jene Verlage, die nicht in der VG Media organisiert sind. (Dazu gehört auch der Süddeutsche Verlag, in dem die Süddeutsche Zeitung erscheint.)

Gelacht wird auch jetzt wieder im Netz. Erdacht vom ehemaligen zeit.de-Chefredakteur Wolfgang Blau, der sich den deutschen Wahnsinn von seinem Londoner Büro beim Guardian aus ansieht, hat sich der Hashtag #widerrufliche_Gratiseinwilligung etabliert. Nutzer erteilen eine solche jetzt dem britischen Regen (darf regnen), der NSA (darf abhören) und heißem Kaffee (darf heiß sein). Auch wer keinen Schaden hat, muss in diesem Stück viel Spott ertragen.

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