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TV-Kritik: Mit Arved Fuchs durch den Nordatlantik:Rum für vier Monate

Weg vom Abenteuer, hin zur Natur: Die Arte-Doku "Mit Arved Fuchs durch den Nordatlantik" bietet atemberaubende Landschaftsbilder und appelliert dabei vor allem an unser Umweltbewusstsein.

Peter Sich

Als Peter Fleischer bei Arved Fuchs klingelte, wollte er eigentlich nur fachkundige Beratung beim Kauf eines Segelboots. Stattdessen heuerte er bei Fuchs an und begleitet den 56-Jährigen seitdem auf Expeditionen. Diese führen zumeist in polare Regionen: Fuchs hat eine siebzigtägige Hundeschlittentour durch Grönland unternommen, er war am Nord- und am Südpol, zu Fuß.

Arved Fuchs Schiff 'Dagmar Aaen' im Eis

Expedition im Nordatlantik: Eine Dokumentation über Arved Fuch auf Arte.

(Foto: dpa/dpaweb)

Daran gemessen wirkt das Projekt, das Holger Riedel und Johanna Michna in der fünfteiligen Arte-Doku Mit Arved Fuchs durch den Nordatlantik zeigen, eher unspektakulär. In vier Monaten segeln Fuchs und seine Crew mit dem alten Fischkutter Dagmar Aaen von Grönland über den Atlantik nach Europa.

Wem das zu ungefährlich klingt, dem zählt Fuchs die Herausforderungen auf: Eisberge, Nebelbänke und arktische Stürme.Doch die klimatischen Bedingungen sind längst nicht mehr so unerbittlich, wie es sich gehört. Schuld ist der Klimawandel. Auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen, ist eines der Ziele von Arved Fuchs und somit gleichsam der didaktische Anspruch des Films. Mit Studenten diskutiert Fuchs den Klimawandel, mit Seeleuten die Überfischung, ihre ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen.

Dabei bleibt das versprochene Abenteuer in dieser ersten Folge bloße Behauptung. Es ist ein entspannter Trip vom Hafen des grönländischen Upernavik zu den Küsten Neufundlands, vorbei an Wikingersiedlungen, Fischerdörfern und Hafenstädten. Zwar werden immer wieder die Entbehrungen des Lebens auf dem Schiff beschworen und die pathetische Musik steuert ihren Teil dazu bei, Seemannsromantik zu erzeugen. Doch wirken die Ernährung mit Tütengerichten und das Problem, dass der "Vorrat an Rum für vier Monate reichen" muss nicht wirklich bedrohlich.

Aber es geht ja auch nicht darum, "möglichst gefährlich zu reisen". Eben. Die eigentlichen Stärken des Films liegen in dem warmen Blick auf die Menschen und den wachsamen Beobachtungen der Natur und Kultur der Küsten Nordamerikas. Es ist nicht das große Abenteuer, das hier präsentiert wird. Es ist ein interessierter Streifzug in eine raue Region, die in grandiosen Landschaftsaufnahmen gezeigt wird.Mit Arved Fuchs durch den Nordatlantik, Arte, 19.30 Uhr. Die weiteren vier Folgen laufen Dienstag bis Freitag, jeweils um 19.30 Uhr.

© SZ vom 07.03.2011/fort

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