TV-Kritik: Mario Barth Beim Bla-Bla-Bla ging ein Zäpfchen ab

Lachen, immer nur lachen, auch wenn der Witz fehlt: Mario Barth verunstaltete eine Stunde RTL. Keisha und Jana Ina halfen.

Eine kleine Nachtkritik von Rupert Sommer

So muss wohl Humor 2.0 funktionieren: Einen besseren Song als Blah Blah Blah hätte Kesha gar nicht mitbringen können. Das Chart-Sternchen war bei Mario Barth in seiner RTL-Samstagabendshow zu Gast, in der netto tatsächlich rund eine Stunde lang unter Testosteron-Hochdruck dauergequasselt wurde - und kein einziger Gag ins Schwarze traf.

Bla-Bla-Sendung mit Damen: Jana Ina, Atze Schröder, Kesha und Deutschlands furchterregend erfolgreicher Superkomiker Mario Barth.

(Foto: Foto: rtl.de)

Trotzdem war Deutschlands furchterregend erfolgreicher Superkomiker mit sich und der Welt vollkommen zufrieden. Immerhin war er der Einzige, der in seiner Sendung permanent schon mal lachte, und danach einfach keine Pointe folgen ließ. Was im absolut synthetischen Barth-Universum zählt, ist die Behauptung von Witz. Für einen Leistungsnachweis hat man in einer Bla-Bla-Sendung einfach keine Zeit.

Was eigentlich nach allen Regeln des guten Geschmacks als dreist herausgeschundene Sendezeit ohne Herz, Hirn oder Humor wirken muss, ist eine durch und durch kunstvoll inszenierte Selbstreferentialiät, die eine Außenwelt gar nicht mehr nötig hat. Sollten wirklich einmal Mars-Bewohner für einen Fernsehabend zu Besuch kommen, kann man ihnen an Willkommen bei Mario Barth auf dem Silberteller präsentieren, wie perfekt deutsches Privatfernsehen funktioniert, das den vereinnahmenden Senderslogan "Mein RTL" völlig zurecht trägt.

Daheim in Fernsehhausen

Wichtigste Regel: Eingeladen wird nur, wer unter der großen TV-Käseglocke groß geworden ist und wer auch bei den Reiz-Reaktions-Abgestumpftesten einen Wiedererkennungsfunken zum Glühen bringt. Diese Funktion erfüllte für Mario Barth, den aufmerksame Vielseher ja aus der allgegenwärtigen Elektromarkt-Werbung kennen, die TV-Schönheit Jana Ina.

Die stammt nämlich gar nicht, wie tückischerweise immer wieder betont wurde, aus Brasilien, sondern muss zwischen München-Unterföhring von Pro Sieben (Jana Ina und Giovanni - Pizza, Pasta und Amore) und den Kölner Glitzerstudios zur Welt gekommen sein und lebt seitdem in Fernsehhausen. Das Gleiche gilt für jene Kunstfigur, die sich "Atze Schröder" nennt, und mit Wuschelperücke und getönter Fliegerbrille gut wiederzuerkennendes Ersatz-Familienmitglied für Dauerglotzer ist.

Mit Jana Ina, die Mario Barth aus irgendwelchen Gründen anschmachtete, versuchte der Berliner Stadionclown eine Art von Gespräch zu führen, das sich zwischenzeitlich einmal um Sternzeichen drehte (Barth: "... sind für Frauen ganz wichtig") und recht schnell bei Vibratoren ("... der geht ab wie Zäpfchen") landete. Dass bei Barth eigentlich nur einer redet, und Konversation ein völlig unverständliches Fremdwort für die Sendung wäre, geschenkt!

Jana Ina hatte nichts einzuwenden - im Gegenteil. "Ich fühl mich so wohl hier bei dir", schnatterte sie. "Du kannst als Deko bei mir bleiben", versprach Mario Barth, "ich hab noch ein paar Sendungen hier." Sag noch mal einer, Fernsehmenschen wären nicht familiär.

Regel Nummer zwei: Immer weiterwursteln und hektisch Abwechslung vorgaukeln, um mögliche Ansätze von Wegzapp-Phantasien durch sedierende Bildberieselung zu ersticken.