TV-Auftritt Jetzt redet Trumps Kurzzeit-Kommunikationschef

Gerade mal elf Tage lang war Anthony Scaramucci, 53, Kommunikationsdirektor im Weißen Haus. Davor arbeitete der Sohn eines Bauarbeiters als Hedgefonds-Manager.

(Foto: AP/Andrew Harnik)
  • Nur zehn Tage lang war Anthony Scaramucci Kommunikationsdirektor des US-Präsidenten. Dann wurde er entlassen - unter anderem, weil er andere Mitglieder aus Trumps Team beleidigt hatte
  • Jetzt äußert er sich zum ersten Mal öffentlich zu den Vorgängen im Weißen Haus.
Von Claus Hulverscheidt, New York

Wer gehofft hatte, der Mann werde sich rächen, werde kübelweise Häme über seinen einstigen Chef ausschütten und peinlich-eklige Details aus dem Innenleben des Weißen Hauses preis geben, der sieht sich schon nach wenigen Minuten enttäuscht. Nein, sagt Anthony Scaramucci, Donald Trump habe "die Probleme des Landes korrekt identifiziert" und verfolge "die richtige Agenda". Er, Scaramucci, habe sich diesem Präsidenten und seiner Agenda "mit Leib und Seele verschrieben".

Da sitzt er also, der Mann, den sie "The Mooch" nennen und der zehn aufregende Tage lang der Kommunikationsdirektor des US-Präsidenten war. "The Mooch", das kann man mit "Der Schnorrer", ein wenig unfreundlicher auch mit "Der Speichellecker" übersetzen - und tatsächlich waren die dauernden Schmeicheleien, mit denen Scaramucci Trump monatelang via Twitter und Facebook überzogen hatte, wohl ein Grund dafür gewesen, dass der 53-jährige tatsächlich im Weißen Haus landete.

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Trump hatte den einstigen Investmentbanker geholt, um endlich eine kohärente PR-Strategie auszuarbeiten und jene Mitarbeiter zu enttarnen, die Interna an die Presse weitergeben. Doch dann bezeichnete Scaramucci, der den großen Auftritt liebt und sich mit viel Getöse an die Arbeit gemacht hatte, Reince Priebus, den damaligen Stabschef des Weißen Hauses, gegenüber einem Journalisten als "beschissenen paranoiden Schizophrenen". Auch Trumps Chefstrategen Stephen Bannon ging er unflätig an: Anders als dieser "versuche ich nicht dauernd, mir selbst einen zu blasen". Zunächst verlor aber nicht Scaramucci den Job, sondern Priebus. Erst 72 Stunden später entließ Trump auch seinen Kommunikationschef - nach gut einer Woche.

An diesem Sonntag spricht Scaramucci in der ABC-Show This Week erstmals über den Vorfall und lässt jene Tage Revue passieren. "Ob ich Fehler gemacht habe? Absolut!", räumt er ungewöhnlich demütig ein, schiebt aber hinterher, dass er schon auf eine zweite Chance gehofft hatte. "Natürlich hätte ich mir gewünscht, sie hätten mir ein Stück Seife gegeben und gesagt: Wasch Dir am Waschbecken in der Herrentoilette den Mund aus und mach weiter!"

"Auch ein Kommunikationschef, egal wie er heißt, kann den Präsidenten nicht ändern"

Im Gespräch mit Moderator George Stephanopoulos gibt sich Scaramucci betont seriös - keine flapsigen Sprüche, keine derben Ausdrücke. Trump sei ein Präsident, sagt er, der oft das Gegenteil dessen tue, was die Medien von ihm erwarteten. Das sei aber kein Makel, sondern im Interesse der Bürger. "Auch ein Kommunikationschef, egal wie er heißt, kann den Präsidenten nicht ändern." Scaramucci lässt auch durchblicken, was er vom rechtslastigen Berater Bannon hält: Trump müsse aufhören, auf dessen "Unsinn" zu hören, und stärker in die politische Mitte rücken.

An diesem Montag wird Scaramucci auch in der Late Show von Stephen Colbert auftreten, der Scaramucci in einem viel bejubelten Auftritt für dessen Spruch aufgezogen hatte, er steche Menschen lieber in den Bauch als in den Rücken. Scaramucci wird Colbert ein Geschenk mitbringen: ein "Von-vorne-Stech-Messer" mit Monogramm. Notfalls, so "The Mooch", könne man es aber auch zum Steak schneiden verwenden.

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