Medienkampagne von Donald Trump "Wir werden nicht fair behandelt"

Sie sind ihm willkommen: Donald Trump umarmt die konservativen Videoblogger Lynette Hardaway und Rochelle Richardson im Weißen Haus.

(Foto: Mike Theiler/imago)

Der großspurig inszenierte "Social-Media-Gipfel" des US-Präsidenten im Weißen Haus produziert hauptsächlich heiße Luft - und ist ein Vorgeschmack auf den Wahlkampf.

Von Alan Cassidy

Angekündigt hatte die US-Regierung das Treffen als "Social-Media-Gipfel", aber von den Techkonzernen Facebook, Twitter oder Google war keiner da. Stattdessen traf sich US-Präsident Donald Trump am Donnerstag im Weißen Haus mit einer großen Schar von Provokateuren, Influencern und Online-Aktivisten vom rechten Rand - ein Gipfel der Trolle, wie viele Kritiker sagten. Da war zum Beispiel James O'Keefe, ein selbsterklärter "Guerilla-Journalist", der gegen die sogenannten Mainstream-Medien kämpft. Da war der Radio-Talker Bill Mitchell, der gerne die Verschwörungstheorie QAnon verbreitet, und da waren diverse Social-Media-Größen, die dadurch auffielen, dass sie Fake-Videos fabrizieren, die zum Teil von Trump selbst auf Twitter geteilt wurden.

Hintergrund des Treffens waren die Klagen von rechten Gruppen über die angebliche "Zensur" ihrer Inhalte durch die Techkonzerne. Es ist eine Klage, die der US-Präsident am Donnerstag einmal mehr wiederholte, indem er Twitter ohne Belege beschuldigte, die Zahl seiner Follower und Interaktionen bei seinen Tweets tief zu halten. Früher seien diese Zahlen nach besonders gelungenen Tweets noch "explodiert", heute nicht mehr. "Wir werden nicht fair behandelt", sagte er. Trump pries seine versammelten Anhänger als "außergewöhnlich": "Der Mist, den ihr euch ausdenkt, ist unglaublich." Es war offenbar als Lob gemeint.

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Der US-Präsident hat mehr als 62 Millionen Follower und nutzt das Netzwerk für seine Zwecke. Wer die Beiträge kritisch kommentierte, wurde aber mitunter einfach gesperrt. Die Opfer wehren sich erfolgreich.

Nicht alle Teilnehmer des Treffens waren jedoch zufrieden über dessen Ausgang. Anders als von ihnen erhofft, legte Trump keinen irgendwie gearteten inhaltlichen Schlachtplan gegen die Techkonzerne vor, sondern stellte bloß in Aussicht, dass er in naher Zukunft "ein großes Treffen" mit Facebook, Twitter und Google im Weißen Haus anstrebe. Darüber hinaus beließ es der Präsident bei den alten Vorwürfen und einer zusammenhanglosen Rede. Gegenüber CNN sprach einer der Anwesenden (eingeladen waren auch konservative Kongressabgeordnete und Senatoren sowie Mitarbeiter von Thinktanks) anschließend von einer "Zirkus-Show".

Trumps Social-Media-Gipfel reiht sich ein in seinen größeren Kampf gegen die Medien, den er im Hinblick auf seinen Wahlkampf verstärkt. Dazu gehört, dass er nicht nur die etablierten Medienhäuser als Feinde bezeichnet, sondern auch die Plattformen aus dem Silicon Valley. Gleichzeitig investiert Trumps Wahlkampagne dort bereits jetzt große Summen an Werbegeldern. Alleine für Anzeigen auf Facebook gab sie in diesem Jahr fünf Millionen Dollar aus.

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