RBB-Fußballshow "11 Freunde TV":Ermüdendes Dauerfeuer

Lesezeit: 3 min

11Freunde TV

Profi neben Köster: Jessy Wellmer und der 11 Freunde-Chefredakteur moderieren.

(Foto: rbb/Gundula Krause)

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg bringt das Magazin "11 Freunde" ins Fernsehen. Ein "verfilmtes Heft" soll das Format namens "11 Freunde TV" nicht sein. Aber was sonst?

Von David Denk

Es ist ein Comeback, das wohl nur Hardcore-Fans als solches erkennen: An diesem Mittwoch kehrt 11 Freunde TV zurück. Nach einer einzigen Sendung bei Premiere im Jahr 2005, moderiert vom fußballaffinen Schauspieler Peter Lohmeyer, bringt nun der RBB das Berliner Magazin für Fußballkultur ins Fernsehen.

Diesmal wird das Projekt langlebiger sein. Zwei halbstündige Folgen sind vorerst geplant. Ob es danach weitergeht, entscheidet zum einen die Quote, aber auch das, was Dirk Walsdorff, Abteilungsleiter Sport beim RBB, "Akzeptanz in der medialen Fußball-Community" nennt. Damit sind wohl nicht zuletzt die Hierarchen im eigenen Sender gemeint.

"Das Ziel war kein verfilmtes Heft", sagt Philipp Köster, "beides muss für sich funktionieren". Der 11 Freunde-Mitgründer, -Chefredakteur und -Geschäftsführer präsentiert die Sendung an der Seite der frisch zum RBB gewechselten Jessy Wellmer.

Auch deren Chef Walsdorff betont die Eigenständigkeit des Formats: Das Magazin sei "der Ansatz, aber nicht die Sendung". Die sei "in enger Zusammenarbeit" mit der Hamburger Produktionsfirma Riesenbuhei Entertainment "komplett neu entwickelt" worden. Die Abgrenzung zum Magazin geht so weit, dass es im Fernsehen nicht einmal erwähnt wird, im Bild nur einmal kurz auftaucht. Das sei juristisch auch gar nicht anders möglich, sagt Walsdorff.

11 Freunde TV ist für einen kleinen, vergleichsweise armen Sender wie den RBB eine große Herausforderung - finanziell, aber auch mental: "Das mussten wir uns ganz hart aus dem Etat kratzen", sagt Walsdorff und spricht von der Abwägung, ein weiteres Spiel von Energie Cottbus live zu übertragen oder 11 Freunde TV zu machen: Als die Produktionsfirma ihm die Idee vorstellte, sei er als Fußballfan und 11 Freunde-Leser "sofort elektrisiert" gewesen, sagt Walsdorff.

Hart an der Grenze von Sport und Unterhaltung

Bevor der RBB zugriff, waren aber noch Fragen zu klären: "Wo platziert man das? Wer braucht das? Wie ist die Abgrenzung zu bereits existierenden Formaten?" Was seine Vorgesetzten von der Idee halten, war auch nicht ganz unwichtig, denn - kommen wir zur mentalen Herausforderung - Walsdorffs Redaktion brauchte auch Mut, hat sie doch "überhaupt keine Erfahrung mit Auftragsproduktionen".

Zudem bewege sich 11 Freunde TV ja "hart an der Grenze von Sport und Unterhaltung", von zwei Abteilungen also - auch wenn er stets "positives Feedback von anderen hierarchischen Ebenen" bekommen habe, merkt man Walsdorff an, dass er sich zu 11 Freunde TV erst durchringen musste.

Nur die Satire sitzt

Im Gegensatz zum RBB-Sport ist 11 Freunde an die Konfrontation mit fremden Strukturen gewöhnt. Gegründet im Jahr 2000 in der Wohnung von Kösters damaligem Mitstreiter, gestalten die Macher seit 2006 bei jeder Fußball-WM und -EM mit dem Tagesspiegel dessen Sonderseiten "11 Freunde täglich".

Auch der Wechsel zu einem großen Club hat geklappt: Seit 2010 hält Gruner + Jahr 51 Prozent der Anteile. "Die Leute nehmen uns nicht als Großverlagstitel wahr", meint Köster. Assoziiert werde 11 Freunde nicht mit dem Stern, nicht mit Geo, "sondern ausschließlich mit uns selbst". Man lebe auch davon, "dass 11 Freunde ein geschlossener Kosmos ist, mit eigenen Werten und Codes."

Anders als das dank einer liebevollen Optik, vieler Rubriken und längerer Lesestücke trotzdem nicht nur für Nerds zugängliche Heft gibt sich 11 Freunde TV in der ersten Sendung abschreckend sperrig: In irrwitzigem Tempo und mit abrupten Schnitten wird von Thema zu Thema gesprungen und von Interviewpartner Thees Uhlmann zu Interviewpartner Arne Friedrich. Und zurück. Und so weiter. Ergebnis ist kein Gespräch, sondern ein ermüdendes Dauerfeuer an Talkschnipseln. Für RBB-Sportmann Walsdorff ist 11 Freunde TV "modern, schnell, intelligent und trotzdem witzig".

Am gelungensten sind noch die Beiträge, über die Großkrise beim HSV etwa und einen scheidenden Fanfunktionär, der mit Gleichgesinnten einen neuen Verein gegründet hat.

Doch angesichts lauter Talking Heads und ausgiebiger Schwenks durchs menschenleere Stadion erschließt sich auch hier der Mehrwert gegenüber einer Magazinreportage nicht so recht. Dem Medium Fernsehen gerecht wird 11 Freunde TV nur im Satirischen, etwa wenn man einen fiktiven Tag im Leben des freigestellten Hoffenheim- und früheren Nationaltorwarts Tim Wiese aus dessen Perspektive nacherzählt. Als der eine 11 Freunde-Ausgabe in die Hände bekommt, wirft er sie schnell ungelesen weg: "Überflüssig!"

Hoffnung auf Geduld beim RBB

Als Urteil über 11 Freunde TV wäre das zu hart, aber auf gut Fußballerdeutsch kann man wohl sagen, dass die Sendung ihre Form noch finden muss. Philipp Köster wundert sich immer, wenn 11 Freunde-Fans die ersten Ausgaben glorifizieren. "Dabei war vieles darin großer Mist." Bei 11 Freunde TV baut er auf die Geduld des RBB: "Ich glaube, dass wir Zeit brauchen, um uns zu entwickeln."

11 Freunde TV, RBB, 23 Uhr.

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