"Tatort"-Saison 2016 Worauf sich "Tatort"-Fans freuen können

Big Data in Stuttgart, die Wahrheit über den mysteriösen Berliner Kommissar - und ein "Tatort"-Abschied à la Fassbinder. Die Highlights der kommenden Saison im Überblick.

Von Carolin Gasteiger

Der Tatort ist zurück - nach zweieinhalb Monaten Sommerpause läuft die ARD-Krimireihe am Sonntag mit dem Kölner Fall "Durchgedreht" an - einem eher biederen Familiendrama. Aber schon eine Woche später dürfen sich Tatort-Fans auf den ersten echten Höhepunkt der Saison freuen.

Big Data in Stuttgart

Mit "HAL" wird es in Stuttgart futuristisch. Die beiden Kommissare Lannert und Bootz müssen den Mord an einer Schauspielstudentin aufklären. Über die junge Frau kommen sie an die Firma Bluesky, die offiziell an Sicherheitssystemen arbeitet. Im Grunde machen die Inhaber aber in Big Data. "HAL", eine Reminiszenz an Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum", erzählt davon, was passiert, wenn sich Maschinen verselbständigen.

Ken Duken versucht als Dr. David Bogmann in "HAL", sein selbst generiertes Computerprogramm zu überlisten.

(Foto: SWR/Johannes Krieg)

Mit seinem vorangegangenen SWR-Tatort über Stuttgart 21 hat Regisseur Niki Stein die Zuschauer ziemlich verwirrt. Auch in "HAL" ist es schwierig, mitzukommen. Aber Stein scheint die Thematik ein Herzensanliegen zu sein. Im Presseinterview der ARD sieht der Regisseur die Zukunft düster: "Wenn Sie so wollen: 'Twitternd' in die Versklavung! - Vielleicht das größte Menschheitsthema, neben der Vernichtung unseres Lebensraums und der ungerechten Ressourcenaufteilung unter der Weltbevölkerung."

Tatort: HAL, 28. August, ARD, 20.15 Uhr

Ist Karow nun schwul?

Der letzte Tatort "Wir - Ihr - Sie" der vergangenen Saison aus Berlin ließ viele Fragen offen, vor allem über Kommissar Karow. Immer noch ist der Mord an seinem früheren Partner Gregor Maihack ungeklärt, immer noch traut Kommissarin Rubin ihrem neuen Kollegen nicht über den Weg. Und dann wäre da noch die Sexszene mit einem Unbekannten, die offen lässt, ob der Kommissar nun schwul ist oder nicht.

Nicht nur Robert Karows (Mark Waschke) sexuelle Vorlieben werfen Fragen auf - auch seine ungeklärte Vergangenheit.

(Foto: rbb/Volker Roloff)

All diese Fragen soll der Fall "Dunkelfeld" klären, der im Dezember läuft - und die Handlung der drei vorangegangenen Berliner Fälle vorerst abschließt. Dann müssen verwirrte Tatort-Fans immerhin nicht mehr bei Wikipedia nachschlagen.

Wie geht es in Dresden und Hamburg und Umgebung weiter?

Spannend dürfte auch der zweite Tatort aus Dresden werden. Der Auftakt des ersten Frauen-Trios war überehrgeizig und zum Ende hin ziemlich schwere Kost, weil eine der drei neuen Kommissarinnen gleich sterben musste. Ob die beiden übrig gebliebenen Ermittlerinnen Alwara Höfels und Karin Hanczewski weiterhin Härte und Herzlichkeit verbinden oder unter so viel Ambition einbrechen?

Können die Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels, l.) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) weiterhin überzeugen?

(Foto: MDR/Andreas Wünschirs)

Auch in Hamburg und Umgebung beginnt ein neues Duo mit den Ermittlungen: Im vorangegangenen Fall hatte Kommissar Falke seine neue Kollegin so weit, dass sie seine neue Partnerin werden wollte. Mal sehen, ob Julia Grosz den impulsiven Falke einfangen kann.

Jubiläums-Tatort mit alten Bekannten

Voraussichtlich im November läuft der 1000. Tatort - und der wird ein besonderes Remake. In einem Cross-Over erinnern die beiden Kommissare Charlotte Lindholm und Klaus Borowski an den Fall "Taxi nach Leipzig" - den allerersten Tatort von 1970. Bleibt zu hoffen, dass die schrullige, aber durchaus unterhaltsame Art des Kieler Ermittlers auf die ziemlich farblose Kollegin aus Hannover abfärbt. In der Neuauflage haben Lindholm und Borowski es mit einem ehemaligen KSK-Soldaten zu tun, der aus Afghanistan zurückgekehrt ist und sich an seiner Exfreundin rächen will. Zum Jubiläum kommen mit Karin Anselm, Hans-Peter Hallwachs und Günther Lamprecht auch einige ehemalige Tatort-Darsteller zurück.

Hans Peter Hallwachs, Axel Milberg, Maria Furtwängler, Karin Anselm und Günter Lamprecht (v.l.n.r.) freuen sich auf den 1000. Tatort.

(Foto: picture alliance / dpa)

Traurige Liebe im Polizeiruf

Um enttäuschte Liebe, vermeintliche Halluzinationen und rechtsextreme Strömungen geht es im ersten Polizeiruf der Krimi-Saison. "Wölfe" führt die Liebesgeschichte zwischen Kommissar von Meuffels und seiner Kollegin Constanze Hermann weiter, die sich in "Kreise" schon angedeutet hatte. Und, wie meist im Münchner Polizeiruf, dürfte das in melancholisch-düsteren Bildern geschehen.

Traurig, aber verliebt: Constanze Hermann (Barbara Auer) und Hanns von Meuffels (Matthias Brandt).

(Foto: Claussen+Putz Filmproduktion Gmb)

Polizeiruf 110: Wölfe, 11. September, ARD, 20.15 Uhr

Adieu, Konstanz, hallo Schwarzwald!

Adieu heißt es Mitte Dezember in Konstanz. Dann werden Eva Mattes und Sebastian Bezzel als Kommissare Blum und Perlmann ihren letzten Tatort besuchen. In "Wofür es sich zu leben lohnt" trifft Eva Mattes auf Hanna Schygulla, Irm Hermann und Margit Carstensen, die in einer skurrilen Frauen-WG leben. Eine interessante Konstellation, haben doch alle vier Schauspielerinnen in den siebziger Jahren mit Regisseur Rainer Werner Fassbinder gearbeitet, standen aber noch nie gemeinsam vor der Kamera. Der SWR bezeichnet das als "besonderes Geschenk an Eva Mattes". Mal sehen, ob der letzte Bodensee-Fall das bestätigt, was schon nach dem vorletzten Fall gesagt wurde: "Es ist okay, dass bald Schluss ist".

Auf jeden Fall sollten wir den Blick auf den Nebel überm Bodensee noch einmal richtig genießen. Denn der Nachfolger steht schon fest: Harald Schmidt tritt 2017 im Schwarzwald sein Amt als Tatort-Ermittler an. Vorab hatte der Late-Night-Talker angekündigt, er habe sich "vom Lustigen verabschiedet". Ob er das halten kann? Die Versuchung, ähnlichen Klamauk zu liefern wie in Münster liegt nahe. Schmidts Premiere dürfte die spannendste der Tatort-Saison werden.

Adieu, Klara Blum! Adieu, Kai Perlmann! Aber vor allem: Adieu, Bodensee! wird es im Dezember heißen.

(Foto: SWR/Patrick Pfeiffer)

Klingelingeling

Aber bevor wir das beurteilen können, schickt uns der Tatort in die Weihnachtsfeiertage. Waren es im vergangenen Jahr noch Dorn und Lessing aus Weimar, beehren uns nun die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr mit einer Weihnachtsepisode. In dem Fall mit dem lautmalerischen Titel "Klingelingeling", bei dem Markus Imboden Regie führt, geht es um den Tod eines Babys. Die Münchner bekommen es mit einer mafiösen Bande zu tun, die Bettler in Städte schickt. Ausstrahlungstermin soll der zweite Weihnachtsfeiertag sein.

Weihnachten mit Batic und Leitmayr - die Münchner ermitteln den Mord an einem Baby (im Bild mit Cosmina Stratan und Regisseur Markus Imboden, 2.v.r.)

(Foto: ARD Degeto/Bavaria Fernsehproduk)

Tatort: Klingelingeling, 26. Dezember, ARD, 20.15 Uhr