"Tatort" Dortmund Dieser "Tatort" kann der Realität nicht ausweichen

Mit zwei erschossenen Polizisten fängt im Dortmunder Tatort alles an. Von der Vorstellung, dass der zweifache Mord das Werk eines Einzeltäters ist, kommen die Kommissare Faber und Bönisch (r.) bald ab.

(Foto: WDR/Frank Dicks)

Der Terror-"Tatort" aus Dortmund war ursprünglich für Neujahr geplant. Dann holten ihn die realen Ereignisse ein. Nun wird er ausgestrahlt - und wieder überholt ihn das echte Leben.

TV-Kritik von Katharina Riehl

Mit der Geschichte dieses Tatort aus Dortmund könnte man ganze Kolumnenspalten füllen, ohne auch nur einen Satz über die Geschichte in diesem Tatort aus Dortmund zu verlieren. Ursprünglich geplant war die Ausstrahlung für den 1. Januar 2017, doch weil es darin um islamistischen Terror geht, verschob die ARD den Film wegen des Anschlags auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Und dann zündet jemand, keine Woche vor dem Ausweichtermin, Sprengsätze am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund.

Noch einmal verschoben wurde der Film nun nicht, die ARD erklärte, der Tatort könne "aufgrund seiner zeitaktuellen inhaltlichen Ausrichtung der Realität nicht ständig ausweichen". Ein hübscher Satz, und nicht nur deshalb irgendwie vernünftig, weil in Dortmund die ganz große Katastrophe glücklicherweise ausgeblieben ist. Sondern auch, weil man sich beim Ansehen ziemlich sicher ist, dass das Publikum so eine erfundene Geschichte von der Realität trennen kann.

Der Terror-Tatort ist in weiten Teilen ein Kammerspiel

Diese erfundene Geschichte also beginnt an einem sehr frühen Morgen, als zwei Polizisten in ihrem Auto erschossen werden. Kommissar Faber (Jörg Hartmann) läuft durch die Straßen und findet einen Mann, der im Morgengrauen am Computer in einer Bank sitzt, um den Bauch einen Sprengstoffgürtel. Die Bombe tickt nicht, sie piept, und Faber sitzt dann die allermeiste Zeit des Films mit dem piepsenden Muhammad Hövermann (Felix Vörtler) in der Bank. Der Terror-Tatort (Buch: Martin Eigler & Sönke Lars Neuwöhner; Regie: Richard Huber) ist in weiten Teilen ein Kammerspiel.

Vor allem aber ist dieser Tatort kein Erklärstück, es gibt keinen aufklärerischen Impetus, es gibt nur eine spannende, am Ende etwas konstruierte, aber deshalb auch überraschende Erzählung. Die gewinnt stark dadurch, dass die vier Dortmunder Ermittler getrennt voneinander zu Werke gehen und daher vergleichsweise wenig Gelegenheit haben sich anzubrüllen. Jörg Hartmann zeigt seit Längerem mal wieder auch in einem Tatort, dass er ein fantastischer Schauspieler ist.

Irgendwann steht Hartmann als Faber in der Bank und nölt den mutmaßlichen Attentäter an, Gott freue sich wohl immer, wenn Ungläubige in die Luft gesprengt werden. "Madrid, London, Paris, Brüssel und jetzt auch Dortmund?"

Die Realität mag dem Tatort einfach nicht ausweichen.

ARD, Ostermontag, 20.15 Uhr.

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