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"Tannbach - Schicksal eines Dorfes" im ZDF:Starke Frauenfiguren

Tannbach - Schicksal eines Dorfes

Franz Schober (Alexander Held), Kathi (Johanna Bittenbinder) und Resi (Maria Dragus, v.l.n r.) sitzen auf der Ladefläche eines LKWs. Sie sollen abgeschoben werden. Franz steht im Westen schließlich als Nazi vor Gericht, doch am Ende wird er natürlich doch nicht bestraft werden.

(Foto: ZDF Dusan Martincek, Lukás Zentel)

Jedes aber steht für ein Trauma der Eltern- und Großelterngeneration. So hatten die Menschen in der sowjetischen Zone die - am Anfang jedenfalls - ungezügelte Rache der Rotarmisten zu spüren bekommen, die Vergeltung für die millionenfachen Verbrechen der Deutschen im Rassenkrieg gegen das sowjetische Volk. Dessen Behörden hatten sich die Deutschen nun unterzuordnen. Ein Volk, von dem ihnen beigebracht worden war, dass es dem eigenen unterlegen sei.

All diese Hintergründe versucht Tannbach mal direkt, mal nur in Andeutungen und Bildern zu beleuchten. Und dieses Beleuchten gelingt - vor allem dank der gezeichneten Charaktere.

Da ist der windige und höchst anpassungsbereite Großbauer Schober (Alexander Held), ein Nazi, der sich geschickt den Amerikanern andient, als diese Tannbach besetzen. Schober, der seinem SS-Sohn die Giftkapsel reicht. Da ist Georg von Striesow (Heiner Lauterbach), der Gutsherr, beladen mit eigener Schuld an der Ostfront, dann desertiert, erstarrt in Härte und Schweigen.

Aber da sind vor allem die starken Frauenfiguren. Striesows Tochter Anna (Henriette Confurius), die gegen den Willen ihres Vaters in der Ostzone bleibt und den bürgerlichen Friedrich Erler heiratet. Friedrich, der lange überzeugt ist, dass der sowjetische Weg für Deutschland der richtige sei, Friedrich, der Neubauer, der auf seinem Stück Land vor Glück zu tanzen beginnt. Es ist Land, das der Familie seiner Frau seit Generationen gehört hatte. Oder Hilde Vöckler (Martina Gedeck), diese unangepasste Frau, die sich in ihrer Pension in Arbeit flüchtet, die ihren eigenen Sohn verrät. Und Liesbeth Erler natürlich (Nadja Uhl). Der sowjetische Kommandant drückt ihr das Baby in die Hand, dessen Mutter seine Soldaten gerade erschossen haben.

Wie ein lähmendes Gift

Die Hauptfigur aber ist Anna von Striesow, der man in nahezu jedem Moment ihre Liebe, ihre Zerrissenheit und auch ihren Kampfgeist abnimmt. "Und ist hier denn alles besser?", fragt sie ihren Vater, nachdem sie im Prozess gegen den Schober-Bauern ausgesagt hat, der auf der Westseite schließlich als Nazi vor Gericht steht und am Ende natürlich doch nicht bestraft wird.

In Tannbach prallen, je mehr sich die Fronten zwischen den Siegermächten verhärten, die Systeme aufeinander. Auf der Ostseite gab es allerdings "keinen Gesamtplan für die politische Entwicklung der Besatzungszone", wie der Historiker Norman M. Naimark in seinem Buch "Die Russen in Deutschland" feststellt. Die sowjetischen Offiziere bolschewisierten ihre Zone, weil es für sie die "einzig bekannte Möglichkeit war, eine Gesellschaft zu organisieren".

Über all das, was in der Ostzone während der Jahre sowjetischer Besatzung geschehen war, hatte man in der DDR zu schweigen, denn die Rotarmisten, so wurde es jedem Kind in der Schule beigebracht, waren als Befreier, nicht als Besetzer gekommen. Die große Sprachlosigkeit derer, die Plünderungen und Vergewaltigungen am eigenen Leib erlebt hatten, breitete sich aus wie ein lähmendes Gift.

Es ist gut, dass sich öffentlich-rechtliches Fernsehen dieser verschütteten, traumatisierenden Zeit annimmt. Eine Zeit, die Westdeutsche von Ostdeutschen so gründlich entfernt hat, dass die Folgen der Entfremdung auch 25 Jahre nach dem Mauerfall noch zu spüren sind. Es wäre Tannbach, diesem sorgfältig gestalteten Großprojekt des Fernsehens, zu wünschen, dass es ähnlich starke Diskussionen auslöst wie vor knapp zwei Jahren Unsere Mütter, unsere Väter.

Es ist im besten Sinne Geschichtsunterricht.

Tannbach - Schicksal eines Dorfes, ZDF. Teil 1: Der Morgen nach dem Krieg. 4. Januar, Teil 2: Die Enteignung, 5. Januar, Teil 3: Mein Land, dein Land, 7. Januar, jeweils 20.15 Uhr.

© SZ vom 02.01.2015/pak
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