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Ellen DeGeneres:Lieb sein!

Ellen DeGeneres in ihrer seit 2003 ausgestrahlten Show, mit der sie zu einer der einflussreichsten Personen in der US-Unterhaltungsbranche wurde.

(Foto: John Locher/AP)

Ellen DeGeneres hört als Moderatorin der nach ihr benannten berühmten Talkshow auf - doch ihre Botschaft wird bleiben.

Von Jürgen Schmieder

Be kind! Das ist die Botschaft von Ellen DeGeneres, und sie klingt so einfach; doch, mal ehrlich: Wie oft gelingt einem das? Lieb sein, gütig, gnädig, mitfühlend, freundlich, nett - all das sind Bedeutungen des Wortes "kind". DeGeneres hat den Slogan und die Geisteshaltung dahinter zu einer Marke gemacht mit der nach ihr benannten Show, die im Sommer 2022 zum letzten Mal ausgestrahlt werden wird - dann wird nach 19 Jahren Schluss sein. DeGeneres hat in einem Interview mit The Hollywood Reporter verkündet, sich nach einer neuen Herausforderung zu sehnen: "So großartig die Show ist, so viel Spaß es auch macht, sie zu produzieren - ich brauche einfach was Neues."

Es hat sich für DeGeneres gelohnt, lieb, gütig, gnädig, mitfühlend, freundlich, nett zu sein, sie hat allein im vergangenen Jahr laut Forbes 84 Millionen Dollar damit verdient. Die Einschaltquoten der Sendung sind allerdings, auch nach Vorwürfen im vergangenen Sommer, dass es bei ihr hinter den Kulissen nicht immer so nett und lieb zugehe wie auf der Bühne, in dieser Spielzeit um 44 Prozent auf 1,4 Millionen Zuschauer und in der ersten Aprilwoche gar auf gar 800 000 pro Folge gesunken; die Werbeeinnahmen im ersten Halbjahr dieser TV-Saison um 22 Prozent auf 127,6 Millionen Dollar.

In der Show mit dem Nettigkeitsanspruch gab es in Sachen Arbeitsklima hässliche Vorwürfe

Die Vorwürfe, die von Rassismus und Sexismus sowie einem feindseligen Arbeitsklima handelten, richteten sich nicht gegen sie direkt, aber letztlich ist sie nun mal nicht nur das Gesicht der Show, sondern als Produzentin für die Vorgänge verantwortlich. DeGeneres, 63, initiierte eine interne Untersuchung, sie feuerte hochrangige Mitarbeiter und entschuldigte sich in der ersten Folge dieser Spielzeit. Dennoch blieb was hängen - auch gerade deshalb, weil DeGeneres eben das Image der liebevollen, netten Arbeitgeberin pflegte.

"Das hat mir sehr wehgetan", sagte sie nun im Interview, und sie sprach darüber, dass es heutzutage kaum noch erlaubt sei, einen Fehler zu machen: "Verstehen Sie mich nicht falsch: Es gibt wirklich böse Leute da draußen, die zu Recht nicht mehr in der Branche arbeiten. Die Kultur ist aber gerade so, dass niemand mehr aus Fehlern lernen und wachsen darf. Es ist knifflig, als die Be-kind-Lady bekannt zu sein." Sie höre jedoch nicht wegen der Vorwürfe auf: "Wenn dem so wäre, dann wäre im vergangenen Jahr schon Schluss gewesen."

Als sie ihre Homosexualität öffentlich machte, wäre ihre Karriere fast vorbei gewesen

Man kann DeGeneres ohnehin nicht auf ihre Talkshow reduzieren, von der bislang mehr als 3000 Folgen ausgestrahlt worden sind, die 61 Emmy Awards gewonnen hat und bei der insgesamt mehr als 370 Millionen Dollar an gemeinnützige Organisationen und Studiozuschauer (DeGeneres überraschte Gäste oft mit Geschenken) verteilt worden sind. In der Michelle und Barack Obama Tänze aufgeführt und sich nicht nur Stars wie Beyoncé Knowles, Madonna und Anne Hathaway wohlgefühlt haben und deshalb interessante Geschichten erzählten - sondern auch normale Leute, die irgendwas Tolles getan haben und wegen der Show berühmt und manchmal auch reich geworden sind. Der Einfluss von DeGeneres auf die Unterhaltungsbranche könnte größer kaum sein.

Sie fing als Komikerin in den 80er-Jahren an, als die Stand-up-Szene dominiert wurde von gehässigen Machos und bitterbösen Satirikern; Comedy bedeutet damals vor allem (so wie es heute wieder zu oft ist), sich über andere lustig zu machen. DeGeneres zeigte in den Clubs von New Orleans, dass jemand lustig und lieb sein kann, sie war auch deshalb 1986 die erste Frau, die in The Tonight Show von Johnny Carson auftrat und vom Gastgeber danach zum Interview eingeladen wurde. 1997, sie war damals der Star einer Sitcom, machte sie ihre Homosexualität öffentlich; ihre Karriere wäre deshalb fast vorbei gewesen, und viele Leute glaubten sechs Jahre später, dass Hausfrauen, das damals typische Publikum für ihre Nachmittags-Talkshow, nicht einschalten würden wegen der sexuellen Orientierung der Moderatorin. Der TV-Sender NBC glaubte dennoch an sie.

DeGeneres bestrafte die Bedenkenträger mit unfassbarem Erfolg, und sie sorgte dafür, dass Geschlecht, Hautfarbe und sexuelle Orientierung ein bisschen weniger bedeutsam wurden als Talent. DeGeneres wird nicht in Rente gehen, sie will als Produzentin und Schauspielerin tätig sein und sich verstärkt um ihre gemeinnützigen Organisationen (ihre Themen: Umwelt, Tiere) kümmern. Als Moderatorin wird sie im kommenden Jahr aufhören, ihre Botschaft jedoch, die sie den Leuten am Ende jeder Sendung mitteilt, wird bedeutsam bleiben: Seid lieb zueinander.

© SZ/tyc
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