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Elon Musk bei "Saturday Night Live":Der sich selbst zum Trottel macht

Elon Musk und Miley Cyrus bei den Vorbereitungen der Show im NBC-Gebäude in New York.

(Foto: Rosalind O'Connor/AP)

Elon Musk bei der Satiresendung "Saturday Night Live" - konnte das gutgehen? Es gab Bedenken und Proteste, doch er legte einen guten selbstironischen Auftritt hin.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Elon Musk ist verrückt - und er, das unterscheidet ihn von den meisten Verrückten, weiß auch, dass er verrückt ist. Er findet das sogar ziemlich cool, wie er am Samstag gleich zu Beginn von Saturday Night Live (SNL) klarstellte: "An alle, die ich jemals beleidigt habe: Ich habe Elektroautos neu erfunden und schicke Leute in Raketen zum Mars - habt ihr geglaubt, dass ich ein ganz normaler, lockerer Typ bin?" Und er legte nach mit einem Gag über das Wahnwitzige, das ihm nun mal anhaftet: "Das ist der Name meines Kindes." Unten eingeblendet wurde "X Æ A-12", so nennen er und seine Partnerin, die Künstlerin Grimes, ihren gemeinsamen Sohn. Musks Erklärung jetzt: "Man spricht es aus: ,Eine Katze ist über die Tastatur gelaufen'."

Elon Musk also, der Technik-Visionär und Chef der Raumfahrtfirma Space-X und dem Elektroautokonzern Tesla. Gibt es jemanden, der unterhaltsamer ist? Und jemanden, bei allem Respekt vor der Kardashian-Familie, der sich und sein Tun derart grandios vermarktet wie Musk? Deshalb, damit keine Missverständnisse aufkommen: SNL brauchte Musk dringender, als er die zugegebenermaßen legendäre Satiresendung braucht.

Es hatte im Vorfeld ein bisschen Trubel gegeben, auch diese Ambivalenz ist Teil des Gesamtkunstwerks. Weil es doch viele Leute gibt, die Musk für die schlechteste Wahl als Gaststar in der 46-jährigen Geschichte von Saturday Night Live hielten: Klar, er sei Visionär und Weltenretter, aber auch der zweitreichste Mensch auf der Welt - und einer der wenigen, die nicht versprochen haben, den Großteil des Vermögens (in der Pandemie ist es auf 166 Milliarden Dollar gewachsen) zu spenden. Einer, der Coronavirus-Bedenken als "dumm" abtat und sagte, dass die Fälle bald zurückgehen würden, die Maßnahmen zur Eindämmung als "faschistisch" bezeichnete. Er provoziert nun mal gerne, er scheint regelrecht Spaß daran zu haben, deshalb schrieb er vor der Abreise nach New York: "Lasst uns mal rausfinden, wie live Saturday Night Live wirklich ist." Und: "Brauche ein paar Ideen für SNL-Skits. Was soll ich tun?"

Der Sender NBC brauchte Elon Musk dringender als der die Show

Zwei Dinge sind heilig bei SNL: Die Sendung mag chaotisch sein und durchgeknallt - aber sie ist immer live, das lässt sie bisweilen so genial werden. Das wurde am Samstag noch einmal ganz deutlich klar, als die erst ein paar Minuten davor in den Indischen Ozean gefallenen Teile einer indischen Rakete mit einem Gag verknüpft wurden: "Jetzt wissen wir, warum er die Show moderiert: Er braucht ein Alibi." Das zweite Heiligtum: die Einspieler heißen "Sketche" und nicht "Skits". Ein paar Ensemblemitglieder, Bowen Yang zum Beispiel, Aidy Bryant oder auch Andrew Dismukes, fanden diese Twitter-Einträge überhaupt nicht lustig. Kurz hieß es gar, dass sich ein paar Komiker weigern würden, gemeinsam mit Musk aufzutreten. Aber, noch einmal: SNL braucht Musk dringender als Musk SNL.

Sie haben ihm den rotesten Teppich ausgerollt, den sie im Firmensitz von NBC finden konnten, die Sendung wird seit jeher im Studio 8H im 30-Rock-Gebäude in New York City (ja, das mit dem Weihnachtsbaum davor) produziert. Sie haben die Show zum ersten Mal in der Geschichte weltweit per Youtube-Streaming veröffentlicht, und natürlich hilft da ein bisschen Zunder unter der Woche, um das Interesse ins Grenzenlose zu steigern. Etwa ein Tesla-Shortseller, der auf sinkende Aktienkurse gewettet hatte, und der angesichts der Aufregung unter der Woche Absicht vermutete.

Es war tatsächlich die unterhaltsamste Show der Spielzeit - nicht nur wegen Musk. Miley Cyrus war als Musikgast, wie immer, stimmlich auf der Höhe ihrer Kunst, die Gags im "Weekend Update" über frühere und aktuelle Präsidenten waren sehr, sehr witzig (keine Spoiler an dieser Stelle, sie sind ja per Youtube-Streaming verfügbar), die Anspielungen auf gestresste Mütter während der Pandemie zum Muttertag - auch Musks Mutter war Teil der Show - unfassbar komisch, weil sie in der Tragik so wahr sind. SNL war aber auch grandios an diesem Abend wegen Musk: Er trat auf als Gen-Z-Doktor, als Gast auf einer Post-Corona-Party und als Finanzexperte Llyod Ostertag - eine Anspielung darauf, dass Musk immer wieder Investments in Kryptowährungen anteasert und die Kurse von Varianten wie "Dogecoin" über Twitter-Einträge zu beeinflussen scheint. Auch jetzt kein Spoiler, nur so viel: Ostertag (also: Musk) ist nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten: "Was ist Dogecoin?"

Darin lag die Genialität des Auftritts: Am meisten scherzte Musk, 49, über sich selbst, er enthüllte etwa, das Asperger-Syndrom zu haben, und natürlich sind die legendären, die unvergesslichen Komiker jene, die sich selbst zum Trottel machen. Musk war bei SNL, wie er auch sonst immer ist: verrückt, und genau deshalb grandios unterhaltsam. Er dürfte zufrieden sein mit diesem Auftritt, auch die Leute bei SNL dürften sich freuen: So viel Aufmerksamkeit hatten sie schon lange nicht mehr. Und eine derart gelungene Show auch nicht.

© SZ/kni
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