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Stefan Austs Film über Aserbaidschan:Feuer und Flamme

RAF-Experte Aust geht von Verurteilung Beckers aus

Stefan Aust, Autor von Unbekanntes Aserbaidschan - Unterwegs im Land des Feuers

(Foto: Arno Burgi/dpa)

Kritische Nachfragen? Fehlanzeige. Der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust hat eine Dokumentation über Aserbaidschan gedreht und ignoriert darin die politischen Missstände im Land. Nun beschäftigt sich das NDR-Medienmagazin "Zapp" mit dem Film.

Die stählernen Arme pendeln im Takt, es wird kräftig gepumpt auf den Ölfeldern Aserbaidschans. Dort liegt der Schlüssel für den neuen Reichtum des kaukasischen Landes: Öl, Gas, Geld. Aserbaidschan hat sehr viel davon und setzt es auch ein. Gespeist von den Petrodollars wachsen in der Hauptstadt Baku neue Hochhäuser in den Himmel, einige sogar in Form züngelnder Flammen, Wasserfontänen sprudeln wie Öl, und im Park am Ufer des Kaspischen Meeres werden die fein drapierten Bäumchen sogar einzeln angestrahlt.

Unbekanntes Aserbaidschan - Unterwegs im Land des Feuers heißt ein 45 Minuten langer Film der Hamburger Produktionsfirma Agenda Media, der erstmals zum Eurovision Song Contest im vergangenen Jahr auf N 24 gezeigt wurde und vor allem die Wirtschaftskraft Aserbaidschans herausstellt. Um politische Fragen in dem autoritär geführten Land, etwa fehlende Demokratie und Meinungsfreiheit, ging es dabei nicht. Gleich mehrmals wurde der Beitrag wiederholt, Sequenzen des Films tauchten Anfang dieses Jahres in einem aserbaidschanischen Werbestreifen zum Wirtschaftsforum in Davos auf. Der NDR greift all dies nun in einem Beitrag auf und fragt, ob Agenda Media und ihr Geschäftsführer Stefan Aust nicht ein allzu gefälliges Bild von Aserbaidschan entwerfen.

Kritische Nachfrage? Fehlt

Aust, Autor von Unterwegs im Land des Feuers, hatte für den Film unter anderem den aserbaidschanischen Außenminister interviewt, der die Gelegenheit nutzte, um von Integration nach Europa zu reden, von Demokratiebildung und Reformen. Eine kritische Nachfrage von Aust ist nicht zu hören. Zu sehen war er indes beim Empfang des staatlichen aserbaidschanischen Ölkonzerns Socar in Davos.

Uwe Halbach, Kaukasus-Experte bei der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, hält den Film nicht für ein ausgewogenes Werk. "Es blendet alle kritischen Fragen aus und erinnert so an die verstärkte PR-Aktivität von Aserbaidschan im vergangenen Jahr", sagt Halbach, "kein Wort über das politische System, zum Verhältnis zwischen Staat und Opposition, es gibt keine Bilder aus den Vorstädten, davon, was es noch hinter der Fassade von Wachstum und Stabilität gibt."

Austs Agenda Media antwortet auf SZ-Anfrage zum Vorwurf der Einseitigkeit nur allgemein. Die Berichterstattung "über die tagespolitischen Ereignisse und die Kritik am Vorgehen der Regierung" sei "von den aktuellen Nachrichtensendungen abgedeckt" worden, schreibt Gesellschafter Thomas Ammann. Und dass es "keine Zuschüsse von dritter Seite" gegeben habe. Offenbar waren alle einfach so Feuer und Flamme.

Zapp , NDR, 23.20 Uhr.