Axel Springer "Welt" auf dem Prüfstand

Springer hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr auf digitale Geschäfte konzentriert, das klassische Mediengeschäft wurde immer kleiner.

(Foto: dpa)
  • Der Finanzinvestor KKR hat ein offizielles Angebot für Axel Springer vorgelegt, das im Verlag für Unruhe sorgt.
  • Ein Passus in den insgesamt 221 Seiten schürt Spekulationen, ob KKR die Welt-Gruppe später einstellen oder veräußern will.
  • KKR will nach fünf bis sieben Jahren mit einem ordentlichen Gewinn wieder aussteigen.
Von Caspar Busse

Es ist eine der berühmtesten Opern der Welt: Verdis "La Traviata" begeistert seit ihrer Erstaufführung 1853, auch wenn am Ende Violetta, die Hauptperson, von der Schwindsucht (später als Tuberkulose bekannt) dahingerafft wird. Ausgerechnet "Traviatia II" hat nun der amerikanische Finanzinvestor KKR die Unterfirma benannt, die beim Berliner Medienhaus Axel Springer einsteigen soll. Ist das etwa eine Anspielung auf die Printtitel von Springer, die auch seit Längerem von der Schwindsucht betroffen sind? Welt und Bild , die beiden wichtigsten Titel, verlieren jedenfalls seit Längerem Auflage und Umsatz.

Gerade hat KKR das offizielle Angebot mit insgesamt 221 Seiten für den Erwerb von Axel Springer veröffentlicht. Die Amerikaner wollen mindestens 20 Prozent der Aktien kaufen und dann zusammen mit Großaktionärin Friede Springer die Firma umbauen. Für Aufregung sorgt dabei ein kurzer Passus auf Seite 32. Unter dem Punkt 8.2.5 f steht dort, man habe zwar vereinbart, "den Geschäftsbereich der Welt-Gruppe fortzuführen". Dies stehe aber "unter der Voraussetzung einer angemessenen Steuerung der jährlichen Ergebnissituation". Man werde sich also laufend die kaufmännischen Kennzahlen genau anschauen, sagen Insider. Auffällig: Andere Objekte von Springer, etwa Bild oder das Online-Portal Business Insider werden in den Unterlagen nicht aufgeführt, schon gar nicht werden explizit Einschränkungen erwähnt.

Spekuliert wird nun, ob sich KKR mit dem Passus eine Hintertür offenhält, die Welt-Gruppe später einzustellen oder zu veräußern. Springer dementierte das am Mittwoch energisch. "Die Welt steht nicht zur Disposition und bleibt ein wesentlicher Eckpfeiler der Zukunftsstrategie", sagte eine Sprecherin. Auch eine Einstellung der gedruckten Version der Zeitung, die in der Branche immer wieder für möglich gehalten wird, stehe "nicht zur Debatte". Es gebe keinen Plan, die Print-Ausgabe aufzugeben. Zur Gruppe gehört neben der Tageszeitung auch die Welt am Sonntag, die digitalen Angebote sowie ein Nachrichtensender. Die Auflage ist rückläufig. Mitte Mai hatte Springer aber verkündet, dass das bezahlpflichtige Online-Angebot inzwischen mehr als 100 000 Abonnenten habe. Insgesamt dürfte die blaue Welt-Gruppe - im Gegensatz zur profitablen roten Bild-Gruppe - Verluste erwirtschaften, auch wenn genaue Zahlen nicht publiziert werden.

Offenbar war die Zukunft des Verlustbringers Welt auch bei den Gesprächen zwischen KKR und dem Springer-Management unter Vorstandschef Mathias Döpfner ein wichtiges Thema. Deshalb habe man sich entschlossen, die Welt explizit zu erwähnen und eine, wenn auch eingeschränkte, Bestandsgarantie zu geben, heißt es. Gleichzeitig wird ausdrücklich die redaktionelle Unabhängigkeit für alle journalistischen Aktivitäten betont.

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KKR, eine weltweit tätige Beteiligungsgesellschaft aus New York, hatte im Mai überraschend bekannt gegeben, dass man Springer übernehmen wolle, Verlagserbin Springer und Vorstandschef Döpfner, die gemeinsam 45 Prozent halten, bleiben an Bord und unterstützen den Plan. KKR bietet bis zum 2. August den übrigen Springer-Aktionären 63 Euro je Aktie. Wird die Schwelle von mindestens 20 Prozent nicht erreicht, platzt das Milliarden-Geschäft. Ist KKR aber erfolgreich, soll Springer von der Börse genommen werden. Gründer Axel Cäsar Springer hatte die Firma 1985 an den Aktienmarkt gebracht.

Ziel des Finanzinvestors ist es, später, etwa nach fünf bis sieben Jahren, mit einem ordentlichen Gewinn wieder auszusteigen. So hat das KKR auch beim Münchner Fernsehsender Pro Sieben Sat 1 gemacht. Zusammen mit dem Finanzinvestor Permira hatte KKR Ende 2006 die Mehrheit übernommen und dann kräftig abgebaut. So wurden unter anderem die Investitionen in das Programm stark reduziert. Der Nachrichtensender N 24 wurde abgestoßen, weil er zu wenig Gewinn erwirtschaftete - heute ist er übrigens Teil der Welt-Gruppe. Pro Sieben Sat 1 leidet teilweise noch heute unter den Folgen des Umbaus. Kein Wunder, dass befürchtet wird, die Amerikaner könnten Springer kaputtsparen.

Der Verlag Axel Springer hat sich zuletzt immer mehr auf digitale Geschäfte konzentriert. Das klassische Mediengeschäft wurde immer kleiner, so wurden Regionalzeitungen wie die Berliner Morgenpost und Zeitschriften wie Hörzu vor fünf Jahren an die Funke-Gruppe in Essen verkauft. Übrig geblieben sind Bild und Welt. Vorstandschef Döpfner war von 1998 bis 2000 Chefredakteur der Welt. Als studierter Musikwissenschaftler wird er auch "La Traviata" gut kennen.

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