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Nach Einstieg von Investor:Axel-Springer-Verlag verkündet drastisches Sparprogramm

Bild100-Party

Gemeinsam in die Zukunft? Oder am Ende nur mit einem? Bild-Chef Julian Reichelt und Marion Horn, Chefredakteurin der Bild am Sonntag.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Der Verlag will Stellen abbauen, die Redaktionen von "Bild" und "Bild am Sonntag" werden zusammengelegt. Titel wie "Welt Kompakt" sollen komplett wegfallen.

Vor zwei Wochen schon fand Mathias Döpfner klare Worte. "Das klingt nicht nur nach einem großen Schnitt, das ist einer", sagte der Vorstandsvorsitzende des Medienunternehmens Axel Springer der SZ, als er über das geplante Sparprogramm in der Zeitungssparte sprach. Der ehemalige Chefredakteur der Welt, der bereits seit 17 Jahren an der Spitze des Konzerns steht, betonte, dass er harte Maßnahmen nun, nach dem milliardenschweren Einstieg des US-Finanzinvestors KKR, nicht mehr scheibchenweise verkünden werde, sondern auf einen Schlag. "Das ist nicht nur unternehmerischer, sondern auch ehrlicher", meinte Döpfner. Die Mitarbeiter würden nicht hingehalten, sondern bekämen schnell Klarheit.

An diesem Montag gab es nun Klarheit - möglicherweise deutlich mehr, als vielen lieb ist. Denn Döpfner verkündete ein wirklich hartes Sparprogramm mit erheblichen Einschnitten für die Bild- und die Welt-Gruppe, die im sogenannten Unternehmensbereich "News Media National" gebündelt sind. Gleich mehrere Titel werden eingestellt oder zusammengelegt. "Das erfordert Einschnitte, leider auch bei Mitarbeitern, die sich täglich mit viel Leidenschaft für den Erfolg unserer journalistischen Marken einsetzen", sagte Vorstandsmitglied Stephanie Caspar. Wie viele Jobs am Ende wegfallen werden, ist noch unklar, doch dürfte der Abbau im dreistelligen Bereich liegen. "Wo strukturell Umsatzrückgang herrscht, müssen wir restrukturieren und Arbeitsplätze abbauen", hatte Döpfner schon vorab gesagt.

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Die Kosten sollen um insgesamt 50 Millionen Euro gesenkt werden, teilte Springer mit. Gleichzeitig sollen 100 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren investiert werden, und zwar in Geschäfte, die Wachstum versprechen würden. Dazu gehörten Liveberichterstattung, mehr Inhalte, für die Kunden bezahlen müssen, sowie der Bereich Sport. Insbesondere für Bild sind mehr TV-Aktivitäten geplant. Bild und Welt strebten "einen erheblichen Ausbau der digitalen Abonnentenbasis" an.

"Einer der größten Medienverlage Europas strukturiert so massiv um, dass kein Stein auf dem anderen bleibt", sagte Frank Überall, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). Es sei zwar im Grunde richtig, starke und erfolgreiche Medienmarken weiterzuentwickeln, aber nur mit Maß und nicht auf dem Rücken der Belegschaft. Wegen des Umbaus, aber auch wegen schwächerer Geschäfte in bestimmten Bereichen muss der Konzern auch die Ziele für das laufende Jahr senken. Der Umsatz werde nun im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich sinken. Das operative Ergebnis werde sich um zehn bis 20 Prozent reduzieren. Das Sparprogramm im Einzelnen:

"Bild"-Zeitung

Er sei "verdammt stolz" auf Bild, sagte Döpfner vor Kurzem. Aber auch die rote Gruppe wird es treffen. So würden die Redaktionen von Bild und Bild am Sonntag "weiter zusammengeführt", hieß es. Die beiden Blätter arbeiten bisher bei ihren gedruckten Ausgaben weitgehend autonom voneinander, haben aber einen gemeinsamen Onlineauftritt. Beide sollen auch zukünftig ihr "eigenes Profil" behalten. Die Führung werde dann Bild-Chefredakteur Julian Reichelt übernehmen, verlautete bei Springer. Ob Marion Horn an Bord bleibt, war am Montag unklar. Die Chefredakteurin von Bild am Sonntag müsste Kompetenzen abgeben und künftig unter Reichelt arbeiten. Auch Auto-Bild und Computer-Bild müssen sparen. Künftig soll Bild aber als Marke "auf TV-Bildschirme" gebracht werden.

"Welt"-Gruppe

Großaktionärin Friede Springer bekannte vor Kurzem: "Ich liebe die Welt." Trotzdem gibt es auch hier erhebliche Einschnitte. So werden die werktäglichen Ausgaben von Welt Kompakt sowie die Welt in Hamburg, die bisher eigenständige Regionalinhalte hatte, eingestellt. Das Wirtschaftsmagazin Bilanz, das als eine Art Manager-Magazin als eigenständiges Produkt der Zeitung beigelegt wurde, werde aufgegeben und redaktionell in die Welt integriert. Beim Einstieg des Finanzinvestors KKR gab es Spekulationen, die Welt werde ganz eingestellt. Das wurde zuletzt auch von Döpfner aber entschieden dementiert.

"B. Z." und Sport

Die Berliner Boulevardzeitung B. Z. werde sich künftig ganz auf regionale Inhalte konzentrieren. Diese soll sie dann auch für die Berlin-Ausgabe von Bild bereitstellen, umgekehrt werde die Bild-Redaktion die überregionalen Inhalte für die B. Z. liefern. Beide Hauptstadt-Titel sollen aber weiterhin erscheinen und ihren eigenständigen Charakter erhalten. Gleichzeitig werde eine einheitliche Sportredaktion für alle Titel, also für Bild, Welt und Sport-Bild, aufgebaut. Diese werde dann "auf die jeweiligen Marken zugeschnittene Inhalte" produzieren. Hier sollen "neue Geschäftsmodelle und Zielgruppen" erschlossen werden, offenbar auch im Fernsehen. Ein Sportteil für drei Zeitungen - das sei das Gegenteil von Medienvielfalt, kritisierte der DJV.

Mitarbeiter

Der jetzt angekündigte Abbau wird fast alle Bereiche der Sparte treffen: sowohl den Verlag und die Redaktionen als auch die Vermarkter Media Impact und Sales Impact. Es würden nun Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern geführt, teilte Springer mit. Es soll Vorruhestandsregelungen geben, außerdem wird die Fluktuation ausgenutzt, frei werdende Stellen werden also nicht mehr besetzt. Geplant ist zudem ein sogenanntes Freiwilligenprogramm, das finanzielle Anreize bietet, wenn jemand seinen Job aufgibt. Mitarbeiter sollen geschult, weitergebildet oder qualifiziert werden, sodass sie auch in anderen Bereichen arbeiten können. Von der Ausgestaltung dieser Programme hänge es dann ab, wie viele Jobs am Ende wirklich gestrichen werden, hieß es. Nach DJV-Informationen stehen bis zu 20 Prozent der Jobs im betroffenen Unternehmensbereich im Feuer. "Weiterbildungen oder Umschulungen müssen klaren Vorrang haben vor Kündigungen", forderte am Montag die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

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