"Rotes Meer" bei Arte Neue Perspektiven in Schweden

Krimis aus keiner anderen Region haben derzeit bei uns so Konjunktur wie die aus Skandinavien. Arte startet mit "Rotes Meer" von Ake Edwardson nun eine neue Krimi-Serie aus Schweden. Der darin ermittelnde Kommissar Erik Winter unterscheidet sich jedoch von den anderen Kommissaren, die uns aus diesem Land bislang bekannt sind. Er ist weniger depressiv.

Von Katharina Riehl

Manchmal treffen Filme oder Serien, die schon lange produziert sind, unverhofft den richtigen Zeitpunkt. Seit knapp 20 Jahren schreibt der schwedische Journalist Ake Edwardson Kriminalromane, die Hauptfigur der meisten ist der Göteborger Ermittler Erik Winter. 2006 erschien Rotes Meer, das nun bei Arte als zweiteilige Verfilmung den Auftakt zur Kommissar-Winter-Serie bildet.

Kommissar Erik Winter (Magnus Krepper) führt ein hübsch-bürgerliches Leben.

(Foto: obs)

Rotes Meer beginnt mit einem grausamen Mord. Ein nigerianischer Ladenbesitzer, sein kurdischer Mitarbeiter und ein Iraner werden in einem Kiosk umgebracht, mit Schüssen direkt ins Gesicht. Kurz darauf werden noch andere Migranten brutal getötet. Natürlich haben die Fälle im Film mit den rechtsradikalen Morden in Deutschland nichts zu tun, trotzdem ist es in Anbetracht der Ereignisse der vergangenen Monate fast absurd, den Dialogen der Ermittler zu folgen. Geht es bei den Verbrechen um schmutzige Geschäfte zwischen Einwanderern? Um Drogen, um Waffen? Oder sind die Mörder fremdenfeindliche Schweden?

Krimis aus keiner anderen Region haben derzeit bei uns so Konjunktur wie die aus Skandinavien. Als Ake Edwardson seinem Verlag vor vielen Jahren einen Roman mit einer neuen Ermittlerfigur vorlegte, wurde er erst mal abgewiesen. Sein Kommissar war ein frustrierter Typ mittleren Alters und er hieß: Mallander. Edwardson hat in Interviews erzählt, er habe Henning Mankells Wallander-Romane einfach nicht gekannt, dafür aber einen Möbelhändler mit dem Namen Mallander. So oder so - er hat sich einen neuen Kommissar einfallen lassen.

Erik Winter (Magnus Kepper) ist ein junger Familienvater, glücklich verheiratet, mit zwei kleinen Töchtern. Gutaussehend, gut angezogen, kein latent depressiver Einsiedler. Die ersten Romane aus der Reihe wurden vor zehn Jahren verfilmt, nun sind es vier neuere Kommissar-Winter-Bücher. Rotes Meer, Zimmer Nummer 10, Toter Mann, Der letzte Winter werden jeweils in zwei einstündigen Episoden erzählt, die Arte direkt nacheinander zeigt.

Dass sich die Figur dieses Ermittlers so deutlich von anderen schwedischen Kommissaren unterscheidet, dass Winter nicht selbst genauso verzweifelt und einsam ist wie die Menschen, auf die er bei seinen Ermittlungen trifft, macht die Reihe interessant. Die Grausamkeiten, auf die er bei dem Mord im Einwanderermilieu stößt, stehen Winters eigenem hübsch-bürgerlichen Leben gegenüber. Bei Henning Mankell ist das wohlhabende Schweden ein Land voller Mörder und mit wenigen Perspektiven; Edwardsons Schweden hat mehr Facetten.

Kommissar Winter Arte, donnerstags, 20.15 Uhr.