Radiosender Bayern 1:Im Programm des Senders gab es früher viele Merkwürdigkeiten, etwa läutende Kirchenglocken

Portraits

Verlässlich schwarz: Der Kommentar zur bayerischen Landespolitik von Bernhard Ücker auf Bayern 1.

(Foto: Sessner/BR)

Auch der vergleichsweise junge Morgenmoderator Marcus Fahn mit seinen 41 Jahren kennt solche Vorurteile, die Menschen seien "oft ganz erstaunt, wenn sie das Programm dann einschalten". Und Walter Schmich sagt: "Vielleicht hat uns die ganze Aufregung um die Verlegung der Volksmusikstunde zu BR Heimat ja auch geholfen. Weil die Leute wieder auf uns aufmerksam geworden sind und wissen wollten, was wir da tatsächlich machen."

Das jüngere Image hat man sich bei Bayern 1 auch auf Kosten der Volksmusikfreunde erkauft, obgleich man beim Sender findet, dass man der traditionellen Volksmusik eigentlich geholfen habe - auch wenn sich deren Fans für den Empfang ein Digitalradio zulegen mussten.

Denn der digitale Spartensender BR Heimat hat aktuell täglich um die 270 000 Hörer. Das sind deutlich mehr als jene, die früher die tägliche Volksmusikstunde um 19 Uhr einschalteten. Und wohl auch mehr als jene, die 2016 den Siegeszug des Kommerzfunks über die ehrliche, handgemachte Musik aufhalten wollten - nur eines der Argumente gegen die Programmreform.

Bayern 1 war immer sehr, sehr bayerisch. Wer sich heute in seinen Fünfzigern bewegt und im Freistaat aufgewachsen ist, kann sich an mancherlei Merkwürdigkeiten erinnern. Sonntagmittag gibt es bis heute das Zwölfuhrläuten, bei dem fünf Minuten lang eine bestimmte Kirche irgendwo in Bayern vorgestellt wird, untermalt von jeweils ganz spezifischen Glockengeläut.

Es gab Samstag für Samstag den "Kommentar zur bayerischen Landespolitik" von Bernhard Ücker. Der war verlässlich schwarz wie das Innenleben eines Landpfarrers, denn die CSU kam eigentlich nie, nie, nie schlecht weg. Außer es hatten sie gerade irgendwelche liberalen Anwandlungen gepackt, was selten geschah.

Viel traditionelle Volksmusik angereichert mit volkstümlichem Schlager

Es gab dann auch die Schweinsbratenmusik, die freilich anders hieß: Bayerische Blasmusik, sonntags eine Stunde lang zum Mittagessen. Überhaupt kam viel traditionelle Volksmusik, zum Beispiel in der täglichen Sendung Am Abend in der Stubn, dann war Zeit für Hackbrett, Zither und Dreigesang. Hinzu kam der schreckliche Bastard der echten Volksmusik, der volkstümliche Schlager. Über die Jahre hinweg nahm der leider immer noch mehr zu, aber das ist eine andere Geschichte.

Auf Bayern 1 lief früher auch das Wunschkonzert mit Fred Rauch, und es gab natürlich die volksnahen Moderatoren, allen voran Gustl Weishappel, der jeden Morgen "die Temperatur vom Fensterbankl" verkündete.

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