"Rach tischt auf!" im ZDF Fad im Abgang

Christian Rach mit Metzgermeister Michael Wagner in der ZDF-Show Rach tischt auf!

Einen wunderbar schnoddrigen Moderator hat das ZDF mit Christian Rach eingekauft. Schade, dass man ihn in "Rach tischt auf!" in ein derart biederes Sendekorsett quetscht.

Eine TV-Kritik von Matthias Kohlmaier

Zum Einstieg ein paar Zahlen: 46 Schweine isst jeder Deutsche im Durchschnitt während seines Lebens. Etwa 30 Stück Würfelzucker verputzt jeder von uns pro Tag. Zwölf Prozent des Gehalts geben Menschen hierzulande für Nahrungsmittel aus. In Deutschland leben sieben Millionen Vegetarier. Andrea Kiewel lässt gerne mal das Hauptgericht weg und nimmt stattdessen drei Desserts.

Die Liste ließe sich noch ein gutes Stück verlängern, aber ein wenig soll es hier ja auch um das neue ZDF-Format gehen, dem sie entstammt. "Rach tischt auf!" heißt die zweiteilige Show, die Fernsehkoch und Ex-RTL-Restauranttester Christian Rach bei seiner Premiere für den neuen Arbeitgeber präsentieren darf. Dabei ist es nicht mal ein Jahr her, da hat Rach noch mit einem ganz ähnlichen Konzept bei RTL aufgedeckt. Die ZDF-Verantwortlichen dachten wohl: Was bei der privaten Konkurrenz läuft, kann im Zweifel für uns nicht so verkehrt sein.

Gut, an ein paar Schräubchen wollte man schon drehen. Investigativer sollte es werden - oder wenigstens so rüberkommen. Deshalb auch die Sache mit den vielen, vielen Zahlen. Und damit der neue Mitarbeiter nicht zu sehr in seinen alten RTL-Jargon verfällt, wurden ihm zwei Assistenten zur Seite gestellt: besagte Naschkatze Andrea Kiewel und ZDF-Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens. Schade eigentlich.

"Ein Mann, der ein halbes Schwein tragen kann"

Denn vielleicht hätte man das mit der Dreifachmoderation vorher üben sollen, dann wären die Herrschaften einander nicht bei jedem zweiten Satz ins Wort gefallen. Und was noch viel interessanter wäre: Warum hat das ZDF Andrea Kiewel eigentlich jemals zurückgeholt? Die war doch längst gefeuert, nachdem sie 2007 vor laufenden Kameras ein bisschen zu offensichtlich Schleichwerbung für ein Diätprodukt betrieben hatte. Ihren "Fernsehgarten" bekam sie wenig später dennoch zurück und in der Rach-Show sagt sie nun dauerlächelnd Dinge wie: "Ein Mann, der ein halbes Schwein tragen kann - wir Frauen stehen auf sowas!"

Aber egal, das ZDF hat nun mal eine Schwäche für flau witzelnde Moderatoren zur Primetime. Das soll nicht zum Schaden von Christian Rach sein. Der hat in seinen diversen RTL-Formaten eine ganz wunderbare Schnoddrigkeit kultiviert, die einem öffentlich-rechtlichen Sender nur guttun kann. Wenn man ihn denn schnoddrig sein ließe. In Teil eins von "Rach tischt auf!" muss der 56-Jährige aber über die faden Scherze seiner Co-Moderatoren lachen und darf nur ganz selten das tun, was er besser kann als die Lichters und Mälzers dieser TV-Kochwelt: über Essen informieren, ohne zu nerven oder den Zeigefinger allzu weit zu erheben.

Einer dieser wenigen Momente in "Rach tischt auf!" hat mit einem frischen Lachs zu tun. Den präsentiert Rach im Studio, streichelt zärtlich und ohne übertrieben große Geste über die Schuppen, erklärt, was beim Fischkauf zu beachten ist: "Frischer Fisch riecht nicht, und siehst du hier die Kiemen: schön schleimig." Wunderbares Infotainment, ganz ohne Schnickschnack und Zahlensalat. Dann faselt Dirk Steffens leider irgendwas von Erotik und Fischen und die Stimmung ist wieder dahin.

Alles Gute

Das ZDF hat mit Christian Rach einen geholt, der auf seinem Gebiet so viel spannender und weniger gleichförmig agieren kann als die meisten öffentlich-rechtlichen Moderationsnasen. Warum quetscht man ihn dann in ein so enges und bisweilen biederes Sendekorsett? Eines, wo am Ende jedes Beitrages dem Zuschauer die Erkenntnisse der vergangenen fünf Minuten nochmals vorgekaut werden müssen, damit auch wirklich jeder mitkommt. Damit sind Rachs Talente verschenkt.

Denn dass er solche hat, davon scheint sein neuer Arbeitgeber sehr überzeugt. Wenigstens ist bereits ein weiteres ZDF-Format mit Christian Rach in Planung. "Darin geht es um alle Formen von Existenzgründung und nicht nur ums Selbständigwerden als Restaurantbetreiber", sagt Rach selbst. Dafür von hier aus alles Gute. Hoffentlich bleiben ihm wenigstens die Co-Moderatoren erspart.

Anmerkung:

In einer früheren Version dieses Artikels wurde Andrea Kiewel folgendes Zitat zugeschrieben: "Mann, Christian! Da machst du mit diesen Veggie-Würstchen aus unserer Bundeswehr 'ne Gurkentruppe." Tatsächlich stammt der wenig amüsante Scherz aber von Dirk Steffens. Der Autor entschuldigt sich hiermit bei Frau Kiewel für diese Verwechslung.