bedeckt München 20°

Promi-Big-Brother bei Sat 1:Gigantomanie mit Witzfiguren

'Promi Big Brother'-Liveshow

"Ich bin ein Berliner!": David Hasselhoff (links) mit den Moderatoren Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn.

(Foto: dpa)

Big Brother ist zurück. Als Skandal-Format gestartet, langweilten der Container und seine Bewohner das Publikum mehr als ein Jahrzehnt. Nun, inmitten eines echten Überwachungsskandals, belebt Sat 1 den Komapatienten mit vermeintlichen Promis wieder. Die erkennen sich zwar nicht mal gegenseitig als solche, aber immerhin sind David Hasselhoff und Jenny Elvers da.

Bemerkenswert, wie sich die Zeiten ändern. Als Big Brother zur Jahrtausendwende ins deutsche Fernsehprogramm kam, war der Aufschrei groß. Wie abgefeimt eine Gesellschaft sei, die lebende Personen unter die Beobachtung eines Millionenpublikums stelle, klagten die Medienwächter. Von herabwürdigendem Menschenzoo und gezieltem Mobbing der Bewohner war die Rede. Doch nach der ersten Aufregung dümpelte die unselige Mutter des Reality-TV in den vergangenen Jahren eher unbehelligt durchs Programm. Unbehelligt von jeglichem Unterhaltungsanspruch, von jeglicher Aufregung - und auch weitestgehend unbehelligt von Zuschauern. 2011 wurde das Format bei RTL 2 eingestellt, weil einfach alles daran grottenschlecht war, einschließlich der Quote.

Nun, zwei Jahre später, stampft plötzlich Sat 1 den Rohrkrepierer mit großem Tamtam aus dem Boden. Die große Neuerung: Nicht mehr unbekannte Tätowierte aus Hintertupfingen oder Gepiercte aus Wanne-Eickel sollen sich hier gegenseitig langweilen, sondern, tataa: Prominente. Das riecht verdächtig nach einem Abklatsch des Dschungelcamps, mit dem der Konkurrenzsender RTL quotenmäßig so tüchtig punktet. Auch die Moderatorenauswahl legt das nahe: In einer ähnlichen Konstellation wie früher Dirk Bach und Sonja Zietlow bei RTL spötteln hier Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher über die Promis.

Zu Hilfe kommt dem Format noch einmal der Zeitgeist. Dank Edward Snowden wissen nun die meisten, wie einfach sie über das Internet ausgespäht werden können. Zum Start von Big Brother im Jahr 2000 haben nur die wenigsten Menschen überhaupt regelmäßig das Internet genutzt. Überwachungsskandal? Den haben wir nun alle. Die Leutchen im Big-Brother-Container waren nur die Vorhut.

"Ich bin das Original"

Promi Big Brother

Sorry, schon verplant

Der Zeitpunkt, die Endemol-Show wieder ins Programm zu heben, ist also geschickt gewählt. "Die NSA hat von mir gelernt, aber ich bin das Original", verkündet die unangenehme Big-Brother-Stimme gleich zu Beginn; eine Mischung aus Grabesstimme und dem berühmt überdrehten TV-Total-Off-Sprecher. Wenn nun also sowieso alle überwacht werden, wieso dann nicht ganz öffentlich die Promis im Container, der im Übrigen keiner mehr ist?

"Das Haus ist der Star", verkündet Pocher, und die Kamera folgt Cindy aus Marzahn in die kitschig ausstaffierten Räumlichkeiten. Opulente Bilderrahmen, königsblaue Tapete, goldene Badewanne, grässliche lila Wände, Ornamente überall. Pocher fühlt sich zu Recht an den Geschmack von Designwunder Glööckler erinnert - und macht sich, ebenfalls zu Recht, Sorgen um den Zustand des ersten Gastes, der die Deko mit Ehrfurcht bestaunt: Percival Duke, durchgeknallter Nicht-Gewinner von "The Voice of Germany". Zuvor ist schon Marijke Amado durch das Haus gescheucht worden, muss dann aber im weißen Glitzerfummel im "Strafbereich" den Rest der Show verbringen. Sie wird trotzdem an diesem Abend die einzige bleiben, die einigermaßen unterhaltsam ist.