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Problemfall MDR:Viel produzieren und wenig kosten

Der MDR reagiert immer, und zwar immer sehr spät. So war es beim Fernsehsportchef Wilfried Mohren. Erst, als sein Korruptionsfall (Betrug, Bestechlichkeit) in der Welt war, wurde ein Unternehmenskodex verabschiedet, der Anstand in die Anstalt bringen sollte. Es wurde sogar eine Anti-Korruptionsbeauftrage eingesetzt. Doch auch die hat es seither: nicht leicht.

Vieles erklärt sich vielleicht damit, dass der MDR nach der Wende neu aufgebaut wurde. Der ARD-Kinderkanal (Kika) wurde Mitte der neunziger Jahre aus Erfurt gemacht. Er sollte viel produzieren und wenig kosten. Statt einer ordentlichen Finanzabteilung mit ordentlichen Buchhaltern wurden freie Mitarbeiter als "Finanz-Controller" eingesetzt. Nicht einmal eigene Kamerateams sollten den Etat belasten. Gerechnet wurde in Sendeminuten oder Belichtungseinheiten. Redakteuren fehlte oft der Überblick, welche Kosten sie verursachten.

Das machte sich der Herstellungsleiter, Marco K., zunutze. Von 2002 an begann er, Geld in die eigene Tasche umzuleiten. Ein armer Kerl eigentlich, ein Spieler. Die Millionen, die er einsackte, trug er zumeist direkt ins Erfurter Casino, das ein paar hundert Meter entfernt vom Funkhaus liegt. Niemand will seine Spielsucht bemerkt haben.

Lange Zeit unbemerkt blieben auch die merkwürdigen Machenschaften des Unterhaltungschefs Udo Foht. Bis sich Ende Mai ein Firmenrepräsentant meldete, der Foht Geld geliehen haben wollte, das der MDR-Mann nicht zurückgezahlt hatte. Foht wurde zur Rede gestellt und erklärte die Angelegenheit für einen Einzelfall. Das war sie offenbar nicht. Noch ist unklar, wen Foht alles angepumpt hat - außer noch den Burda-Vorstand Philipp Welte. Bei Welte waren es 30 000 Euro. Pikant daran ist, dass der MDR und namentlich Foht für die ARD-Ausstrahlung des Burda-Medienpreises Bambi verantwortlich war. Zu Fohts Gönnern zählte außerdem der bayerische Musik-Unternehmer Hans Beierlein. Er half mit 180 000 Euro aus, wie er einräumte.

Nach derzeitigem Stand könnte Foht Geld für TV-Produktionen hin- und hergeschoben haben. Dass dabei womöglich ein bisschen bei Foht selbst landete, wird vom MDR gegenwärtig nicht ausgeschlossen. Kommenden Mittwoch will MDR-Intendant Reiter den suspendierten Unterhaltungschef anhören. Von Fohts Anwalt war auf SZ-Anfrage keine Stellungsname zu erhalten.

Die TV-Show Schlager einer Medienstadt, für die sich Foth das Geld von Beierlein geliehen hatte, ging im April 2009 tatsächlich auf Sendung - mit rund 1,4 Millionen Zuschauern, wie der MDR stolz berichtete. Auch Beierlein und Foht kennen sich gut. Auf der Homepage des Medienmanagers aus München ist beschrieben, wie Foht zwei aufstrebende "Knaben" der Volksmusik kennenlernte: "Beierlein führte die beiden (das sind Florian Silbereisen und Stefan Mross) Udo Foht vor, dem Unterhaltungschef des MDR, der für volksnahes Musikgut stets zugänglich ist. Er erkannte die Talente und übertrug ihnen die Moderation regionaler Sendungen." Beierlein war einmal Manager von Silbereisen. Ging das eine in das andere über?

Als ginge es um die Darstellungsmacht im Osten

Quote, Kohle, Hass - und viel Nutzwert für die Parteien. Anders als in den ARD-Häusern der West-Bundesländer kommt dem MDR bei der politischen Willensbildung in den Landschaften zwischen Görlitz und Stendal, Wittenberg und Plauen eine große Bedeutung zu. Dass Reiter nun bald ersetzt wird, löste in den Staatskanzleien der drei Ost-Länder großes Engagment aus - als ginge es um die Darstellungsmacht im Osten. Wunschkandidat in der Dresdner Staatskanzlei soll der Chefredakteur des Leipziger Volksblattes, der 52-jährige Bernd Hilder sein. Im MDR wird die derzeit stellvertretende Intendantin Karola Wille, 52, gehandelt. Auch der Chef des Erfurter MDR-Funkhauses Werner Dieste, 54, macht sich wohl Hoffnungen.

Im September soll im 43 Mitglieder starken Rundfunkrat abgestimmt werden. Noch herrsche eine "höchst unübersichtliche Gemengelage", wie ein sächsischer Unionspolitiker konstatiert. Vermutlich passt es manchem, dass es im Funkhaus des Ostens drunter und drüber geht. Das könnte den Ruf nach einem starken Mann von außen verstärken - einem, der den Staatskanzleien genehm ist, versteht sich. Kommissar Weitemeier, selbst CDU-Mitglied, wird weiter ermitteln.