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Presseschau zu Martin Schulz:"Ernsthaft sorgen muss man sich um die außenpolitische Stellung Deutschlands"

Die "Rheinische Post" bewertet die Rolle Sigmar Gabriels im Streit um das Außenamt kritisch:

"Sigmar Gabriel wird nun sein geliebtes Außenamt, in dem er einen guten Job machte, wohl behalten dürfen. Trotzdem muss sich der Mann fragen, ob seine öffentliche Abrechnung mit Schulz richtig war. In seiner klugen Rede auf dem Parteitag in Dresden, bei der Gabriel das Amt übernommen hatte, rüttelte er die gedemütigten Genossen auf. Er skizzierte das Bild einer Bürgerpartei, die zuhört, mitten im Leben steht, ihre theorielastige Weltverbesserungsattitüde abschüttelt. Alles richtig. Aber Gabriel forderte damals mit viel Pathos seine Genossen auf, die "unversöhnliche Härte", mit der interne Debatten geführt werden, endlich sein zu lassen. Außerhalb der SPD interessiere sich keiner für Personaldebatten oder Parteiflügel, dozierte Gabriel. Die Menschen hätten aber ein Gespür dafür, "ob wir das, was wir über eine tolerante, weltoffene und solidarische Gesellschaft erzählen, auch selbst vorleben." Nun hat Gabriel selbst diese Solidarität aufgekündigt und in der blinden Wut gegen Schulz sogar seine Tochter ins Spiel gebracht."

Auch die "taz" kritisiert Sigmar Gabriel und sorgt sich gleichzeitig um die deutsche Außenpolitik:

"Den letzten Stoß dürfte Martin Schulz sein Scheinfreund und letztlich erbitterster Gegner Sigmar Gabriel versetzt haben. Als klar wurde, dass Schulz ihn im Amt des Außenministers beerben würde, beschädigte Gabriel ihn auf so nahetretende und unterirdische Weise, dass jedem klar war: Dieser Egozentriker wollte um keinen Preis alleine stürzen. Das hat Gabriel erreicht. Und ironischerweise könnte sein Verrat später einmal zu einer Heldengeschichte mutieren. Ernsthaft sorgen muss man sich nun um die außenpolitische Stellung Deutschlands. Ein Staat, dessen politische Vertreter sich wie in einer Bananenrepublik gegenseitig ins Aus kegeln, wird zur Lachnummer auf dem internationalen Parkett. Der Rechtsdrall in Europa, die globalen Fluchtbewegungen, der anschwellende Bocksgesang zwischen den Supermächten - man kann die außenpolitischen Schwelbrände förmlich riechen. Wen hat die SPD, wen hat diese Große Koalition zu bieten, der oder die sich all diesen Themen sowohl respektvoll als auch versiert annimmt? Wie gesagt: Ein Drama ersten Ranges."

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" analysiert die Rolle Andrea Nahles' und wagt einen Blick in die Zukunft der SPD:

"Andrea Nahles wäre die Einzige gewesen, die Schulz in dieser Situation noch hätte halten können. Aber warum sollte sie das tun? Auf die Gefahr hin, den Mitgliederentscheid in den Sand zu setzen? Auf deren Erfolg im Sinne der führungslosen SPD-Führung muss jetzt alles ausgerichtet werden. Denn eine Niederlage wäre eine politische Katastrophe. Die Partei würde vollends in die Zeit vor dem Godesberger Programm zurückfallen, in dem sich der Sozialismus mit der Wirklichkeit anfreundete. Manches Mitglied wird sich in dieser Situation beileibe nicht nach Kevin Kühnert, sondern nach Sigmar Gabriel sehnen - auch das gehört zum Sarkasmus, den die Partei jetzt ertragen muss. Denn Gabriel konnte führen, wenn auch nicht gewinnen. Wird Nahles auf ihn zurückkommen? Wenn sie es nicht tut, weil sie nicht in der Lage ist, einen Mann wie Gabriel einzuhegen, wäre das ein Zeichen dafür, dass sie von Angela Merkel gelernt hat."

© SZ.de/luch/eca

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