Polizeiruf 110 Frau König bittet zum Tanz

Wird sie für ihn das Jobangebot in Berlin ablehnen? Die Kommissare Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau).

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Im Rostocker Polizeiruf geht es vordergründig um gewalttätige Fußballfans, eigentlich aber um die langsame Annäherung zwischen den beiden Ermittlern.

Von Katharina Riehl

Im Tatort aus München gab es zuletzt eine wundersame Heilung, was vor allem deshalb ein wenig albern wirkte, weil die ARD zwei völlig unzusammenhängende Episoden der BR-Reihe ungewöhnlich kurz hintereinander ausstrahlte. Während Kommissar Batic gerade noch um sein Leben kämpfte und die Freundschaft der beiden Silberfüchse auf dem Spiel stand, war im nächsten Film alles wieder in allerbester Ordnung.

Es ist eine grundsätzliche Frage, ob man die Filme aus den Reihen Tatort und Polizeiruf aufeinander aufbauen lässt, denn wahr ist ja, dass es kaum möglich ist, monatelang Handlungsenden im Kopf zu behalten. Bei jedem Tatort aus Berlin muss man vorab durchschnittlich 30 Minuten für Internetrecherche aufwenden; der Polizeiruf aus München mit Matthias Brandt beweist dagegen seit Jahren, dass so eine Figur auch mit bewusst vollkommen zusammenhangslosen Geschichten funktionieren kann.

Dass horizontales Erzählen in den Krimireihen am Sonntag trotzdem seine Berechtigung hat, das weiß man, weil es Bukow und König gibt. Die Annäherung zwischen diesen beiden Rostocker Ermittlern wird mit größtem Mut zur Langsamkeit seit Monaten und Jahren erzählt, sodass man quasi nie etwas googeln muss, nur dieses Mal, weil Katrin König (Anneke Kim Sarnau) im vergangenen Film einen Angreifer brutaler niedergeschlagen hat, als das vielleicht nötig war.

Ermittelt wird in einer Welt aus Macht, Frauen und Fußball

Während König und Alexander Bukow (Charly Hübner) nach diesem Vorfall über den Inhalt des zu schreibenden Berichts streiten, klären sie den Mord an einem Fußballfan auf: Hooligans hatten sich zum Schlägern verabredet, einer wurde an der Tankstelle von einem Laster totgefahren. Hinter der aktuellen Geschichte steht ein alter Fall, ein Polizist war vor ein paar Jahren zum Pflegefall geprügelt worden; ermittelt wird in einer Szene, in der es um Macht geht, Frauen und Fußball.

Als Krimi ist "Einer für alle, alle für Rostock" (Buch: Wolfgang Stauch; Regie: Matthias Tiefenbacher) konventionell, an verschiedenen Fährten entlang hangelt man sich zur Lösung. In Wahrheit ist der Fall aber ein bisschen egal, weil Bukow im letzten Film seiner LKA-Kollegin Katrin König endlich und schwer verdruckst seine Zuneigung gestanden hat. Bukow bat König, den neuen Job in Berlin nicht anzutreten. Und diesmal?

Als spoilerfreie Antwort, die die Beziehung der beiden aber hübsch umreißt:

König: "Tanzen Sie mit mir."

Bukow: "Ich kann nicht tanzen."

König: "Dann stellen Sie sich in die Mitte, und ich tanz um Sie rum."

Und das machen die beiden dann auch. Sie haben ja Zeit.

Polizeiruf 110, ARD, 20.15 Uhr.

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