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25 Jahre Pokémon:Alles Gute, Pikachu

A staff guides performers wearing Pokemon's character Pikachu costumes as they prepare for a parade in Yokohama

Eine Pokémon-Parade in Yokohama, Japan.

(Foto: KIM KYUNG-HOON/REUTERS)

Seit einem Vierteljahrhundert jagen Spielerinnen und Spieler die Pokémon-Fantasiemonster. Wie konnte das passieren?

Von Elisabeth Gamperl

Sie sind klein, ganz niedlich und gehören mittlerweile zur modernen Märchenwelt: Pokémon feiern jetzt ihren 25. Geburtstag. Die digitalen Taschenmonster wurden 1996 vom japanischen Videospieldesigner Satoshi Tajiri für Gameboys entwickelt und schlichen sich unglaublich schnell in die Kinderzimmer der Neunziger- und Nullerjahre. Die verniedlichende Popkultur Japans prägte mit Kreaturen namens Pikachu, Bisasam oder Shiggy eine globale Generation.

Satoshi Tajiri war dabei vom Insektensammeln, seinem Kindheitshobby, inspiriert: Die Ausgangsgeschichte der Serie dreht sich um den Jungen Ash Ketchum, der sein Zuhause verlässt, um in dichten Wäldern und unheimlichen Türmen Pokémon zu fangen und zu trainieren - eine Coming-of-Age-Geschichte, getarnt als Sammel-Herausforderung. Mit den kleinen Monstern im Gepäck tritt er bei Turnieren gegen andere an.

Pokemon Collage

Das erste Pokémon-Spiel kam in Europa 1999 auf dem Markt.

(Foto: Screenshots/Pokémon)

Die unendliche Pokémon-Artenvielfalt zu beobachten, verstehen und zu fangen - das ist die zentrale Idee, die Fans bis heute bei der Stange hält. Seit der Anfangszeit können sich Spielerinnen und Spieler virtuell miteinander verbinden, um Pokémon zu tauschen und in Arenen gegeneinander anzutreten. Das schafft Gemeinschaft. Statt alleine zu Hause zu spielen, trifft man sich mit Gleichgesinnten.

Pokémon gibt es als Spiele, Anime, Filme, Kartenspiele, Plüschtiere. In den Neunzigern wurde der Hype so groß, dass die Spielkarten auf britischen Schulhöfen verboten wurden. Als der erste Film 1999 an einem Wochentag in den US-Kinos anlief, schwänzten so viele Kinder die Schule, um ihn zu sehen, dass die New York Times das Phänomen als "Pokeflu" (Poke-Grippe) bezeichnete. Pokémon war auch deshalb eine Invasion, weil das Spiel von Anfang an kommerzialisiert wurde, die Macher verkaufen mehr Produkte als Star Wars oder Mickey Mouse.

Vor fünf Jahren erschufen sie mit "Pokémon Go" das nächste Massenphänomen. Das "Augmented Reality"-Spiel verknüpft reale und Spielewelt miteinander und funktioniert auch deshalb, weil es die Nostalgie der mittlerweile erwachsenen Spieler einfängt. Im Sommer 2016 waren mit der App auf einmal die Straßen und Plätze voll von Menschen, die digital animierte Monster jagten. Um eines zu fangen, mussten sich die Spieler an einen vorgegebenen Ort in der realen Welt begeben, der auf einer Karte im Spiel markiert war.

Pokémon-Go-Spieler in München 2016.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Jugend sei nun endlich wieder auf der Straße, schrieben die einen, von Smartphone-Zombies ätzten andere. Mehr als eine Milliarde Mal wurde die App heruntergeladen.

Im texanischen Auktionshaus "Heritage Auctions" wurde im Januar ein Pokémon-Kartenset aus dem Jahr 1999 für rund 336 000 Euro versteigert. Das ist doch ein schöner Gruß zum 25. Geburtstag. Die Kinder der Neunziger sind groß geworden und verdienen ihr eigenes Geld.

© SZ/tyc
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