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Online-Journalismus:"Huffington Post" drängt in deutschen Medienmarkt

Arianna Huffington Huffington Post

Arianna Huffington, Chefin der Huffington Post Media Group

(Foto: dpa)

Noch 2013 will die "Huffington Post" den deutschsprachigen Raum "zu unserem wachsenden Portfolio internationaler Ausgaben hinzufügen". Während in Deutschland vermehrt über Bezahlschranken im Internet diskutiert wird, plant die "HuffPost" mit einem gängigen Finanzierungsmodell.

Während sich deutsche Online-Medien den Kopf darüber zerbrechen, wie sie mit ihren Inhalten Geld verdienen und ob sie ihren Lesern Bezahlschranken zumuten sollen, dränt nun die US-Internetzeitung Huffington Post gemeinsam mit der Burda-Tochter Tomorrow Focus in den Markt. Zusammen mit Focus Online will die HuffPost noch zur Bundestagswahl im Spätsommer einen deutschsprachigen Ableger starten. Sie setzt dabei für das Gratis-Angebot ausschließlich auf Werbung.

In den USA stieg die Huffington Post mit ihrer Mischung aus Blogeinträgen, schnellen Nachrichten und dem Verweis auf Artikel anderer Medien innerhalb weniger Jahre vom Neuankömmling zur Klickmaschine auf. 2011 kaufte AOL das aufstrebende Nachrichtenportal für mehr als 300 Millionen Dollar. Jetzt soll das Europageschäft weiter ausgebaut werden.

" Tomorrow Focus ist der beste Partner für uns, um Deutschland, Österreich und die Schweiz zu unserem wachsenden Portfolio internationaler Ausgaben hinzuzufügen", sagte Huffington Post-Chef Jimmy Maymann. Das Portal betreibt bisher Versionen in Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien und setzt dabei stets auf Partner vor Ort, etwa auf die französische Le Monde oder das italienische Medienhaus Gruppo Espresso ( la Repubblica). Die "Huffington Post" zeigt dabei trotz ordentlich gefüllter Kassen strikte Finanz-Disziplin und überlässt dem lokalen Partner viel Kontrolle.

Seit 2011 keine schwarzen Zahlen

Pro Land werden etwa ein Dutzend Journalisten als Redaktionsteam engagiert und höchstens zwei Millionen Dollar investiert, wie Maymann der Financial Times sagte. Die Kosten und Gewinne werden mit den Partnern geteilt. Die Profite müssen in dem harten Geschäft allerdings erst einmal erwirtschaftet werden: Seit der Übernahme durch AOL Anfang 2011 verdiente die Huffington Post noch kein Geld.

Dennoch ist Arianna Huffington auf einer weltweiten Expansion, während bei vielen traditionellen Medienhäusern Personalkosten eingespart werden müssen. Im Mai soll die japanische Version starten. Pläne gibt es unter anderem auch für Indien, Brasilien, Russland, Südkorea oder Australien. "Die internationale Expansion war von Anfang an mein Traum", sagte Huffington der Financial Times. Damit entstehe auch ein weltweites Netz von Redaktionen, die gemeinsam an Geschichten arbeiten können - ganz wie bei klassischen Medien.

Die Ziele in Deutschland sind so klar wie ehrgeizig: In zwei Jahren soll der Ableger Geld verdienen, in fünf Jahren soll er in die Top-Fünf der deutschen Nachrichtenseiten aufsteigen.