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"News of the World": Fall Dowler:Ungeheuerliches Detail

Die britischen Boulevardblätter und auch die seriösen Zeitungen haben noch einmal ausführlich über Milly und die Eltern berichtet. Doch an diesem Montag tauchte ein Detail auf, das fast so ungeheuerlich ist wie das Verbrechen. Reporter des seriösen Guardian haben diesen Verdacht recherchiert, und er richtet sich gegen Leute, die jeden Anspruch auf Respekt und berufliche Profession verloren haben. Mitarbeiter der sonntags erscheinenden News of the World, die auch ein Interview mit den verzweifelten Eltern veröffentlichte, sollen das Mobiltelefon der verschwundenen Milly Dowler angezapft haben, um auf der Mailbox mitzulauschen. Sie wollten angeblich wissen, wer sich wann bei ihr gemeldet hatte und was die Eltern und die anderen so sagten oder auch nur schluchzten. Mit Hilfe von Privatdetektiven sollen die Todesreporter sogar Nachrichten gelöscht haben, wenn die Mailbox voll war. Milly jedenfalls war es nicht.

Der von News of the World und anderen britischen Boulevardblättern gern und reichlich verwendete Begriff "Skandal" reicht nicht aus, um das Ausmaß einer solchen Schweinerei auch nur einigermaßen zu umreißen. Premierminister David Cameron sagte, falls die Vorwürfe stimmten, handele es sich um eine "unglaublich schreckliche Tat".

Der britische Boulevardmarkt ist bekanntermaßen der härteste der Welt. Gut ein Dutzend überregionaler Tageszeitungen kämpft auf der Insel um die Aufmerksamkeit der Leser, und die zum Imperium des Medienmoguls Rupert Murdoch gehörende Gossenzeitung News of the World (Auflage etwa 2,6 Millionen) gilt als die rücksichtsloseste von allen.

Das Blatt ist manchmal ein einziger Papier gewordener Skandal. News of the World veröffentlichte einst das Video, das den damaligen Formel-1-Präsidenten beim Sadomaso-Sex zeigte. Ein Reporter der Redaktion verkleidete sich als Scheich, um einem Mitglied der britischen Königsfamilie Abträgliches über das Königshaus zu entlocken und das Erschnüffeln von Schmuddel aller Art scheint für die Blattmacher eine ehrenwerte Tätigkeit zu sein.

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