Größte US-Tageszeitung:Neuer Chefredakteur für "New York Times"

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Größte US-Tageszeitung: Der bisherige und der neue Chef der "New York Times": Dean Baquet (links) übergibt im Juni an Joseph Kahn.

Der bisherige und der neue Chef der "New York Times": Dean Baquet (links) übergibt im Juni an Joseph Kahn.

(Foto: DAMON WINTER/AP)

Pulitzer-Preisträger Joseph Kahn wird im Juni die Leitung übernehmen. Wofür steht der neue Mann an der Spitze einer der wichtigsten Tageszeitungen der Welt?

Von Anna Ernst und Hannes Vollmuth

Die New York Times bekommt einen neuen Chefredakteur: Wie die US-Tageszeitung am Dienstag bekanntgab, wird der ehemalige China-Korrespondent Joseph Kahn den bisherigen Chefredakteur Dean Baquet ablösen. Mitte Juni soll Kahn, 57, die Redaktion übernehmen, die wie kaum eine andere amerikanische Zeitung für Pulitzer-Prize-würdigen Qualitätsjournalismus steht.

Kahn, selbst Pulitzer-Preisträger, war zuvor Auslandsredakteur der New York Times, Leiter des Pekinger Büros und Reporter für internationale Wirtschaft und Handel. Sein Vater, Leo Kahn, war Mitbegründer der Bürolieferkette Staples. In Branchenkreisen galt Joseph Kahn schon länger als logischer Nachfolger von Baquet, der nun mit 65 das Alter erreicht hat, in dem NYT-Chefredakteure für gewöhnlich von ihrem Posten abtreten. Kahn gilt zudem als risikoärmste Wahl. Wie die Nachrichtenseite Axios vor einigen Tagen notierte, soll er an der Seite von Baquet schon auf die Führungsrolle vorbereitet worden sein und durfte bei einer internen Veranstaltung bereits direkt nach dem NYT-Verleger A.G. Sulzberger und der Geschäftsführerin auftreten.

Die Übergabe wird also vermutlich viel reibungsloser verlaufen als vor acht Jahren, als Jill Abramson, die erste Frau an der Spitze verdrängt und durch Dean Baquet ersetzt wurde. Trotzdem könnte auch Kahn auf Schwierigkeiten stoßen: Er gilt innerhalb der Redaktion als etwas härter und verschlossener als sein Vorgänger, der seit 2014 die Redaktion leitete und in seiner Amtszeit zahlreiche Erfolge vorweisen konnte.

In der Redaktion fragt man sich gerade, wie man Topjournalisten hält

Und auch wenn die NYT unter Baquets Ägide von US-Präsident Donald Trump beschimpft und attackiert worden ist, erlebte sie durch die Fülle an politischen Geschichten dieser Trump-Jahre ein Rekordwachstum bei den digitalen Abonnements. Auch die Redaktion wuchs, heute beschäftigt sie rund 1700 Reporter und Redakteurinnen.

Gleichzeitig ringen die Führungskräfte mit der Frage, wie man Topjournalisten hält. Zuletzt wechselte Tech-Reporterin Taylor Lorenz zur Washington Post. Medienjournalist Ben Smith, der erst kürzlich auch in Deutschland mit seiner Recherche für Aufsehen gesorgt hatte, die zur Entlassung von Bild-Chef Julian Reichelt führte, kündigte im Januar an, dass er sich mit einem eigenen Start-Up selbstständig machen will.

Die größte Herausforderung für den neuen Chefredakteur Joseph Kahn aber wird es sein, die Zielvorgaben des eigenen Hauses zu erfüllen. Im Februar setzte sich die Times das Ziel, bis Ende 2027 - also innerhalb von fünf Jahren - 15 Millionen Abonnenten zu gewinnen. Die Redaktion muss nun hoffen, das digitale Abo-Wachstum aufrechtzuerhalten - und das während der vergleichsweise ruhigen Biden-Präsidentschaft.

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