Nachlese zum Polizeiruf aus Rostock:Edward Snowden würde applaudieren

Lesezeit: 2 min

Polizeiruf 110: Sturm im Kopf; Polizeiruf

Katrin König und Sascha Bukow sind kurz davor, die Namen der Hintermänner zu erfahren. Aber dann läuft nur noch der Scheibenwischer.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Sie wollen mitreden über den "Polizeiruf 110"? Hier erfahren Sie, warum Kommissar Bukow auch gern sein Gedächtnis verlieren würde, und wie sich Katrin König als Whistleblowerin macht. Die "Polizeiruf"-Nachlese - mit den besten Zuschauerkommentaren.

Von Carolin Gasteiger

Darum geht's:

Auf einem verlassenen Werftgelände wird der Chef der Hilgro Wind AG, Achim Hiller, tot aufgefunden, mit vier Schusswunden im Körper. In der Zwischenzeit irrt ein junger Mann durch Rostock, der sich an nichts mehr erinnern kann, aber behauptet, jemanden erschossen zu haben. Hat dieser Max Schwarz (Christian Friedel) den Unternehmer ermordet? Nicht nur der gedächntnislose Tatverdächtige ist allerdings verwirrt, das gilt vielmehr auch für die Ermittler. Kriminalhauptkommissar Alexander Bukow (Charly Hübner) kommt über die Affäre seiner Frau mit Kollege Volker Thiesler (Josef Heynert) nicht hinweg, Anton Pöschel (Andreas Guenther) lässt sich mit einer Verdächtigen ein und Profilerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) wird von ihrer Vergangenheit beim LKA eingeholt. In "Sturm im Kopf" kämpft jeder für seine ganz persönliche heile Welt. Am Ende ist nicht nur Bukow mit den Nerven fertig.

Hier lesen Sie die SZ-Rezension zu "Sturm im Kopf":

Bezeichnender Dialog:

Bukow und König besuchen den verwirrten Max Schwarz in der Psychiatrie. Der junge Mann leidet an "dissoziativer Fugue", wie die Profilerin erläutert. Das bedeutet stark vereinfacht, er lässt sein eigenes Ich und dessen traumatische Erlebnisse hinter sich. Den verlassenen Kommissar regt das zum Nachdenken an.

Bukow: Beneidenswerter Zustand, ha?

König: Echt?

Bukow: Na ja, ab und an so eine Fugue - stellen Sie sich mal vor, Sie können einfach neu anfangen.

König: Das Leben geht weiter, Bukow.

Bukow: Ja?

König: Ja.

Die besten Zuschauerkommentare:

Beste Szene:

Bukow und König stehen kurz vor der Lösung des Falles: Hillers früherer Leibwächter Brock könnte ihnen die Namen seiner Mittelsmänner verraten. Aber Brock kämpft gerade, angeschossen von König, um sein Leben. Schließlich sackt er in sich zusammen, aber König fragt weiter, immer weiter. "Scheiße!" Für die Ermittlerin bricht scheinbar eine Welt zusammen, die Chance ist vertan. Fluchend läuft sie weg, ihr verletzter Kollege kommt hinkend kaum hinterher. Aber, und das verschreckt, beeindruckt, bewegt: König schreit, mit schmerzverzerrtem Gesicht. Und schreit. Und schreiiiiit.

Top:

Die Rostocker Ermittler. Immer wieder. Alexander Bukow und Katrin König sind nach außen hart und geben außer ihrer derben Sprache nicht viel von sich preis. Aber nach und nach kommt raus, wie viel beide bereits mitgemacht haben. Und wenn es drauf ankommt, halten sie zusammen. Mehr davon.

Flop:

Warum siezen sich König und Bukow immer noch?

Beste Auftritte:

Christian Friedel, bekannt als verklemmter Dorflehrer aus "Das weiße Band", gibt als Max Schwarz der inneren Verwirrung ein Gesicht. Ratlos, aber nicht rastlos, fügt er sich seinem Schicksal, nicht ohne seine Chance auf Strafmilderung zu wittern ("Sie meinen, das Passwort zu den Daten von diesem Hiller taugt als Verhandlungsmasse?").

Die Erkenntnis:

Ganz schön bitter. Verlassen, verloren und verzweifelt kämpft in "Sturm im Kopf" jeder seine eigene Schlacht. Bis es nicht mehr geht. Und dann geht es doch weiter.

Die Schlusspointe:

Die wollen doch nicht wirklich? Nein, König und Bukow erpressen nicht wirklich zehn Millionen Euro von der Higro Wind AG. Alles nur fake, damit die Ermittler belastendes Material an die Presse weitergeben können und König die korrupte Staatssekretärin und das LKA drankriegen kann. Als Whistleblowerin macht König gar keine schlechte Figur, ihre Begründung: "Die Alternative wäre Schweigen." Edward Snowden würde applaudieren.

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