Nachrichtenagentur Reuters Inhaftierte Reporter in Myanmar sind frei

Die beiden Pulitzer-Preisträger waren verurteilt worden, nachdem sie an einer Recherche über die Rohingya arbeiteten - der muslimischen Minderheit in dem Land.

Zwei in Myanmar inhaftierte Reporter der Nachrichtenagentur Reuters sind nach mehr als 500 Tagen in Haft freigelassen worden. Wa Lone und Kyaw Soe Oo verließen am Dienstag das Gefängnis in der Nähe von Rangun, berichteten Augenzeugen. Wa Lone, der während der Haft Vater geworden war, sagte nach der Freilassung, "Ich kann es gar nicht abwarten, in die Redaktion zu gehen. Ich bin Journalist. Und das bleibe ich auch."

Die beiden Pulitzer-Preis-Gewinner waren im vergangenen September zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Sie sollen nach Auffassung des Gerichts gegen ein Gesetz zum Schutz von Staatsgeheimnissen verstoßen haben. Die Journalisten arbeiteten an einer Geschichte über die Ermordung von zehn Männern und Jungen, die der muslimischen Minderheit der Rohingya angehörten. In Myanmar, wo die große Mehrheit buddhistischen Glaubens ist, geht das Militär äußerst brutal gegen die Rohingya vor, die Vereinten Nationen sprechen von "ethnischer Säuberung" und "Völkermord".

Die Staatsanwaltschaft hatte den Männern vorgeworfen, gegen ein Gesetz zu Staatsgeheimnissen verstoßen zu haben, das noch aus der Kolonialzeit stammt. Die Journalisten wiesen die Vorwürfe zurück und gaben an, in eine Falle gelockt worden zu sein. Im Prozess gab ein Offizier sogar zu, dass man den Journalisten Papiere untergeschoben habe, um sie dann zu verhaften.

Das Urteil hatte international Empörung ausgelöst und stellt den demokratischen Wandel in dem Land infrage. Auf Wa Lone und Kyaw Soe Oo hatte unter anderem eine Koalition internationaler Medien aufmerksam gemacht, die mit einer Dringlichkeits-Liste Monat für Monat an gefährdete Journalisten erinnert. Ziel ist es, dass die Aufmerksamkeit für inhaftierte Reporter nicht verloren geht. Durch einen Gnadenerlass von Präsident Win Myint, auch eine Reaktion auf den internationalen Druck, kamen die beiden Reuters-Journalisten nun frei - zusammen mit mehr als 6000 weiteren Häftlingen. Andere Journalisten sind immer noch inhaftiert. Myanmar liegt in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 138.

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