"Moon Knight" auf Disney+:Nebenjob Kampfmumie

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"Moon Knight" auf Disney+: Verhaut zwar Söldner und Pharaonen-Monster, weiß aber nichts von seinem Zweitleben als bandagierter Superheld: Oscar Isaac in "Moon Knight".

Verhaut zwar Söldner und Pharaonen-Monster, weiß aber nichts von seinem Zweitleben als bandagierter Superheld: Oscar Isaac in "Moon Knight".

(Foto: Marvel Studios 2022. All Rights Reserved)

Mit "Moon Knight" launcht Marvel die nächste Serie - aber Oscar Isaac als verhuschter Bücherwurm und Teilzeit-Superheld funktioniert kaum.

Von Nicolas Freund

Bei Marvel verstehen sie Spaß. Müssen sie auch. Bunte Superhelden sind grundsätzlich eine (manchmal unfreiwillig) komische Angelegenheit. Seit ein paar Jahren fahren die Marvel-Studios mit den "Thor"- und den "Ant Man"-Filmen die Strategie, sich mit vorauseilender Selbstironie gegen Kritik an ihrem auf Dauer doch etwas einseitigem Geschäftsmodell zu immunisieren. Teil dieser Strategie scheint nun auch die neue Serie Moon Knight mit Oscar Isaac zu sein.

Weil Isaac spielt darin gar keinen richtigen Superhelden, sondern einen verhuschten Bücherwurm, der nichts auf die Reihe kriegt und das Souvenirlager des British Museum sortiert. Bei Marvel versucht man auch immer, andere Kulturkreise als den amerikanischen einzubinden. Ein gut gemeinter Ansatz, der aber schon zu skurrilen Szenen führte, wie im ersten "Avengers"-Film, als die Kinobesucher plötzlich etwas unvermittelt Stuttgart und Arabella Kiesbauer statt New York und Robert Downey Jr. präsentiert bekamen. Oder in der Serie The Falcon and the Winder Soldier, in der München verdächtig nach einem Prager Hinterhof aussieht und ansonsten nur aus endlosen Tannenwäldern zu bestehen scheint. Weil gedreht wurde im billigeren Tschechien und nicht in Bayern.

Marvel lässt jetzt das weg, was sie am besten können - Actionszenen

Nun soll in Moon Knight der arabische Raum verarbeitet werden, genauer gesagt: Ägypten. Gedreht wurde aber nicht dort, sondern in Ungarn. Mit dabei ist zumindest der ägyptische Regisseur Mohamed Diab, der zuletzt die Darstellung seines Heimatlandes in dem Superheldenfilm "Wonder Woman 1984" vom Marvel-Konkurrenzstudio DC kritisiert hatte. Nur, die Chance es besser zu machen, bekommt er hier gar nicht, zumindest nicht in den ersten Folgen der Serie. Die spielen nämlich vor allem in London, also im British Museum, wo die ganzen ägyptischen Schätze sind, die im 19. Jahrhundert von Franzosen und Engländern geraubt wurden.

Immerhin: Mit Ahmed Hafez und Hesham Nazih sind auch ein ägyptischer Cutter und Komponist dabei. Aber mit Ägypten hat Moon Knight trotzdem ungefähr so viel zu tun wie der Shop im British Museum mit echten Pyramiden. Wenigstens sind die Marvel-Studios da weitgehend konsequent. London fühlt sich zwar so quirlig und anstrengend an wie es auch in Wirklichkeit ist, aber wenn Ägypten ein Pharaonen-Zauberland im Museum ist, dann ist es einleuchtend, wenn die Alpen auch nur aus sonnigen Blumenwiesen und pastellfarbenen Puppendörfchen bestehen.

In genau so einer Kulisse findet sich nun Oscar Isaac als Souvenirhändler Steven Grant wieder, nachdem er doch eigentlich gerade in London schlafen gegangen war, und gerät genauso unvermittelt in eine Rauferei mit einer Söldnertruppe. So weit, so Marvel. Das Neue: Marvel lässt jetzt das weg, was sie am besten können, nämlich bis in die letzten Zeitlupeneinstellung durchchoreografierte Actionszenen. Warum? Marc Spector verhaut zwar reihenweise als eine Art Kampfmumie irgendwelche Söldner und Pharaonen-Monster, weil er aber irgendwie selbst nichts von seinem Zweitleben als bandagierter Superheld ahnt, kriegt man das auch als Zuschauer nicht (sofort) zu sehen. Die Szenen fehlen einfach, genauso wie die Reise von London in die Alpen. Denn Spector scheint an einer psychischen Störung zu leiden, er weiß selbst nicht, wie viele Identitäten sich eigentlich seinen Körper teilen.

Dieser etwas verzweifelt wirkende Kniff kann die Serie aber nicht retten. Die scheitert vor allem an ihrem Hauptdarsteller, der wirkt, als ob er auf die (Mehrfach-)Rolle als schludriger Nichtsnutz und gewaltbereite Pharaonenleiche keine Lust hatte. Obwohl er auch als Produzent an der Serie mitgearbeitet hat.

Ein weiteres Problem: So richtig cool sind psychische Probleme als Superheldenfähigkeit nicht. Lustig auch nicht. Hätte man wissen können. Das amerikanische Magazine IGN hat mal eine Rangliste der besten Superhelden veröffentlicht. Moon Knight steht da auf Platz 89. Bei einer anderen Liste über die besten Avengers liegt er auf Platz 49. Von 50.

Moon Knight, 6 Folgen, bei Disney+

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