"Metoo"-Debatte Chef des US-Senders CBS tritt nach Vorwürfen sexueller Belästigung zurück

Les Moonves (68) tritt als Vorstandschef von CBS ab.

(Foto: dpa)
  • Les Moonves arbeitete an der Spitze des Medienkonzerns CBS und holte Hit-Sendungen wie "NCIS" und "The Big Bang Theory" zu dessen Sendern.
  • Vor einigen Wochen sah sich Moonves erstmals Vorwürfen sexueller Belästigung ausgesetzt.
  • Als das Magazin New Yorker am Sonntag Vorwürfe weiterer Frauen veröffentlichte, trat Moonves binnen Stunden von seinem Posten als Vorstandschef zurück.

Der langjährige Vorstandschef des US-TV-Senders CBS ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Les Moonves' Schritt werde sofort wirksam, teilte das Netzwerk am Sonntag mit. Das Magazin New Yorker hatte am Sonntag von sechs Frauen berichtet, die Moonves unter anderem beschuldigten, sie zum Oralsex gezwungen zu haben. Drei Stunden nach Veröffentlichung des Artikels berichtete der Sender CNN von Moonves' Rücktritt.

Die Frauen warfen dem 68-Jährigen am Sonntag vor, ihren Karrieren geschadet zu haben, wenn sie seine Avancen abgelehnt hätten. Eine namentlich genannte Anklägerin, Phyllis Golden-Gottlieb, beschuldigte ihn etwa, sie nach und nach aus dem Produktionsstudio gedrängt zu haben, dessen Geschäftsführer Moonves damals war. "Er hat meine Karriere absolut zerstört", sagte sie. Ende der Achtzigerjahre habe er ihren Kopf in seinen Schoß gepresst und sie zum Oralsex gezwungen, ein anderes Mal habe er sie wütend gegen eine Wand gedrückt.

Chef von TV-Sender CBS in Erklärungsnot

Berührungen, Küsse und Einschüchterungsversuche: CBS-Chef Les Moonves soll sechs Frauen bedrängt haben, mit denen er beruflich zu tun hatte. mehr ...

Der Bericht im New Yorker stammt von Ronan Farrow, dem Journalisten, der neben zwei Redakteurinnen der New York Times im vergangenen Oktober die Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein bekannt gemacht hatte, die zur noch immer andauernden "Me Too"-Debatte führten.

CBS erklärte, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen. Der Vorstand habe eine Untersuchung eingeleitet. Als kommissarischer Chef und Präsident werde vorerst Vorstandsmitglied Joseph Ianniello übernehmen, hieß es.

Vor dem Bekanntwerden seiner Entlassung teilte Moonves selbst in einer Stellungnahme an den New Yorker mit, die Anschuldigungen seien unwahr. Er habe seine Position "nie" ausgenutzt, "um Fortschritte oder Karrieren von Frauen zu behindern". In 40 Jahren seien solche Vorwürfe nie aufgekommen, es ginge nun wohl darum, seinen Ruf zu zerstören. "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht die in dem Artikel beschriebene Person bin."

Vor einigen Wochen sah sich Moonves erstmals Vorwürfen ausgesetzt. Mehrere Frauen berichteten, während der Arbeit mit ihm hätten sie sich bedrängt gefühlt. Im Juli schrieb der New Yorker unter Berufung auf die Anklägerinnen, er habe Berührungen und Küsse bei Geschäftstreffen erzwungen. Zwei der Frauen schilderten, Moonves habe sie körperlich eingeschüchtert oder ihnen gedroht, ihre Karrieren zu zerstören. Die Vorwürfe fielen in einen Zeitraum zwischen den Achtziger- und den späten Nullerjahren.

CBS teilte mit, dass Moonves und der Sender als Teil der Vereinbarung über seinen Weggang 20 Millionen Dollar an eine oder mehrere Organisationen spenden wollen, die sich für Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsplatz einsetzen.

Der Unternehmer arbeitet seit vielen Jahren an der Spitze des Medienkonzerns CBS. 1995 begann er als Präsident der Sparte CBS Entertainment und stieg schnell auf. Mit Hit-Shows wie "NCIS" und "The Big Bang Theory" sorgte er nach einer Flaute für gute Einschaltquoten. Moonves zählt seit Jahren zu den am höchsten bezahlten Führungskräften der USA.

Wie der Fall Argento die Me-Too-Bewegung verändert

Eine Frau als Täterin? Kommt selten vor, muss aber denkbar bleiben, zeigen die Anschuldigungen, die gegen Schauspielerin Asia Argento erhoben wurden. Die Me-Too-Bewegung hat sich in den vergangenen Wochen um eine Facette erweitert. Von Valeriya Safronova mehr...