Marie Curie "Ich mag ja das Radium"

Es war nur halb im Scherz gemeint: "Ich mag ja das Radium", schrieb Henri Becquerel an die Freunde Marie und Pierre Curie, "aber das nehme ich ihm übel." Der Brief war etwa zur vorletzten Jahrhundertwende aufgegeben worden, und die Beschwerde traf nicht die Falschen.

Marie und Pierre Curie forschten ihr Leben lang Seite an Seite.

(Foto: dpa)

Das Pariser Physiker-Ehepaar Marie und Pierre Curie hatte das Radium, ein silbriges Metall, erst kurz zuvor entdeckt, besser gesagt: zum ersten Mal extrahiert, am 21. Dezember 1898. Es war für die schmächtige Marie eine Knochenarbeit an schwarzen, sehr rätselhaften Steinen.

Was Becquerel, Physikprofessor ebenfalls aus Paris, dem Radium verübelte: Ein Stück hatte ihm quälende Verbrennungen am Oberkörper beigebracht, als er es längere Zeit in seiner Weste aufbewahrt hatte, ganz absichtlich. Ihm war bekannt gewesen, dass Radium es in sich trug. Er wusste, dass das Metall 900 mal so stark strahlt wie ein anderes, dessen wundersame Eigenschaften er selbst zwei Jahre zuvor aufgespürt hatte: das Uran. Aber dass es so aggressiv sei?

Die Curies hatten ihn dazu mit ihren eigenen Selbstversuchen angestachelt. Sie hatten dies der Akademie der Wissenschaften vorgetragen, nachdem sie "genüsslich", wie Curie-Biografin Françoise Giroud schreibt, die Veränderungen an ihrem Körper beobachtet hätten, ausgelöst durch das Berühren von Radium.

Von "tiefen Verwundungen" war die Rede, von "Schuppenbildung" und "Verhärtungen" der Haut, die "manchmal sehr schmerzhaft" seien. Mutwillig stürzten sich die Forscher in ihre Experimente, weil die Wissenschaft große Hoffnungen hegte in mögliche Heilkräfte des Radiums. Die Erwartung: die Strahlung könnte wuchernde Krebszellen angreifen. Man stand in internationalem Wettbewerb, hatte schon von Selbstversuchen deutscher Forscher gehört.

Pechblende und das Radium