"Leute Leute" mit Monika Gruber Satire mit dem Holzhammer

Mit einer eigenen Satiresendung lässt das ZDF die bayerische Kabarettistin Monika Gruber auf das bundesweite Publikum los. Ohne Gnade soll sie in "Leute Leute" die Schönen und Reichen aufs Korn nehmen. Der Freistaat liegt der "Gruaberin" zu Füßen, doch ist das bayerische Kabarettgewächs auch reif für die große Bühne? Die erste Sendung lässt Zweifel aufkommen.

Von Carolin Gasteiger

Monika Gruber ist derzeit auf allen Kanälen präsent: Als nervige Journalistin in der ARD-Vorabendserie Hubert und Staller, bald als keifendes Marktweib in Franz Xaver Bogners Klassiker München 7 oder neben Bruno Jonas und Rick Kavanian im BR-Format Die Klugscheißer. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ihr ein Sender ein eigenes Format einräumt.

Die bayerische Kabarettistin Monika Gruber nimmt in ihrer neuen Satiresendung "Leute Leute" Prominente aufs Korn.

(Foto: dapd)

Leute Leute heißt Grubers neue Sendung im ZDF, benannt in Anlehnung an das Promi-Klatsch-Magazin Leute Heute*. Unerbittlich sollen die Schönen und Reichen aufs Korn genommen werden. Und tatsächlich: Grubers Ton in Leute Leute ist gewohnt harsch und direkt.

Wenn sie dem ehemaligen Bundespräsidenten Wulff attestiert, dass alles, was ihm wirklich gehöre, in eine Tupperdose passe, oder einräumt, dass mehr Leute den Yeti gesehen hätten als Thomas Gottschalks quotendarbende Sendung im Ersten. Monika Gruber markiert ihr Revier, wenn's sein muss mit dem Holzhammer.

Mit dem nunmehr dritten Satireformat bietet das ZDF der oberbayerischen Kabarettistin nun also eine bundesweite Plattform. Das zeigt zum einen, welchen Stellenwert Satire auf dem Mainzer Lerchenberg genießt, zum anderen, welche Hoffnung die Senderverantwortlichen in Monika Gruber stecken, bis dato ein genuin bayerisches Kabarettgewächs.

Und genau darin liegt die Krux: Monika Gruber kann nun mal nur bayerisches Kabarett. Das zweifelsohne hervorragend, nicht umsonst füllt die 40-Jährige mit ihrem Programm mühelos den Münchner Zirkus Krone - aber ist die "Gruaberin" reif für das bundesweite Publikum? Und umgekehrt?

Die Gags wirken sehr platt und konstruiert - Heidi und Seal trennen sich, Demi Moore und Ashton Kutcher, Lothar Matthäus und sein Haupthirn. Haha. Auf der Kabarettbühne mag das funktionieren, mit der typisch Gruberschen bayerischen Schnauze. Hier aber wirkt Gruber ein wenig verloren, ihre Pointen zu einstudiert. Die Krönung: Eine mehrfach eingeblendete auf Christian Wulff umgemünzte "Saturn"-Werbung mit dem Motto "Geil ist Geil - 50 Tage Wulff-Affäre". Wer versteht das? Wer braucht das?

Offenbar Monika Gruber, um zu ihrem Gast, dem Kabarettist Sebastian Pufpaff überzuleiten. Der darf die Causa Wulff dann kommentieren, aber erst, nachdem er die nicht gerade originelle Frage nach seinem Nachnamen beantworten musste. Ja, er heißt wirklich so. Auf ihren Gast näher einzugehen, verkneift sich Gruber. Aber genau das hätte man sich an der Stelle gewünscht.

Warum weniger mehr wäre

Die Gastgeberin muss sich stattdessen beeilen, um auch ihren übertriebenen Kunstfiguren außerhalb des Studios genügend Sendezeit einzuräumen: dem vorlauten Berlinale-Reporter, einer sexuell frustrierten Pseudo-Wissenschaftlerin und einem unscheinbaren Außenreporter im Karneval. Studiogast Oliver Kalkofe tituliert schließlich im Schnelldurchlauf die aktuelle Staffel des "Bachelor" treffsicher als Bunga-Bunga-Wochen auf RTL und vermutet, dass Alice Schwarzer beim Anblick so viel feministischer Erniedrigung ihren Receiver fressen würde. Hatten die Macher etwa Angst, sie könnten die 45 Sendeminuten nicht füllen?

Bei all dem kommen Grubers Talent und Witz leider zu kurz. Dabei nimmt sie sich auch selbst gern auf die Schippe und gesteht, dass sie - ohne aufgepumptem Dekolleté - ihre eigene Sendung deshalb bekam, weil sie sich hochgeschlafen habe. Die wenigen wirklich amüsanten Einlagen, wie die Persiflage auf Christine Neubauers Weight-Watchers-Werbeclip, werden von Gruber so übertrieben angekündigt, dass die Pointe schon weg ist, bevor sie überhaupt kommt.

Weniger wäre bei Leute, Leute definitiv mehr. Mit diesem Motto könnte Gruber auch ihrer Befürchtung zuvorkommen, die sie am Tag vor der Premiere im ZDF-Mittagsmagazin geäußert hat: "Ich will nicht, dass die Leute mich satthaben."

* In einer früheren Version des Artikels wurde das Magazin Leute heute als eingestellt bezeichnet, es läuft hingegen Montags bis Freitags um 17:45 Uhr im ZDF.