Journalismus Der Mann, der das Weiße Haus das Fürchten lehrt

Er verschaffte sich Zugang zu sensiblen Dokumenten der Trump-Regierung und führte Hunderte Interviews: der Journalist Bob Woodward.

(Foto: AP)
  • Der Journalist Bob Woodward hat angekündigt, im September ein Enthüllungsbuch über die Trump-Regierung zu veröffentlichen.
  • Für das Projekt verschaffte er sich Zugang zu sensiblen Dokumenten und führte Hunderte Interviews.
  • Woodward trug in den Siebzigerjahren mit seinen Recherchen zur Watergate-Affäre dazu bei, Richard Nixon zu Fall zu bringen.
Von Alan Cassidy

Man hat sie noch vor sich, die Bilder aus dem Film, der eine ganze Generation junger Menschen dazu brachte, in den Journalismus einzusteigen. Sie zeigen die Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein, gespielt von Robert Redford und Dustin Hoffman, wie sie spätabends an Haustüren in Washington klopfen. Sie zeigen sie im verrauchten Büro, das Telefon am Ohr, den Notizblock vor sich, und in der Tiefgarage, wo sie ihren Informanten treffen.

"All the President's Men" heißt der Film, auf Deutsch "Die Unbestechlichen". Er zeichnet nach, wie Woodward und Bernstein mit ihren Recherchen über den Watergate-Skandal Präsident Richard Nixon zu Fall brachten. Die Vorlage zum Film hatten die beiden Journalisten selbst geliefert. Ihr gleichnamiges Buch erschien 1974, nur wenige Monate nachdem Nixon seinen Rücktritt erklärt hatte. Ihre in der Washington Post erschienenen Artikel brachten den Autoren einen Pulitzerpreis ein und einen Platz im Pantheon des Journalismus.

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Woodward schrieb in den folgenden 45 Jahren weitere Bücher, die sich sehr gut verkauften, aber ein Scoop wie Watergate gelang ihm nicht mehr. Nun erscheint ein neues Buch von ihm. Es trägt den Titel "Fear: Trump in the White House", und es handelt von der Präsidentschaft Donald Trumps. Die "Angst" im Titel bezieht sich auf eine Aussage, die Trump als Präsidentschaftskandidat gemacht hatte. Ein Journalist fragte ihn, was für ihn Macht bedeute. Trumps Antwort: "Echte Macht ist, und ich will das Wort fast nicht gebrauchen: Angst."

Bei Woodward machte der Satz Eindruck. Er erinnere ihn an einen Spruch, wie ihn eine Shakespeare-Figur hätte machen können, sagte er laut der Washington Post. Bei der Zeitung arbeitet er noch immer, als leitender Redakteur, über den Kollegen mit Ehrfurcht sprechen. Die Post war es auch, die diese Woche die Nachricht von Woodwards neuem Buch publik machte. Sie wirkte in Washington wie eine Bombe. Obwohl das Buch erst im September erscheint, steht es in den Verkaufscharts von Amazon bereits auf dem Spitzenplatz.

Angst trifft auch das Gefühl recht gut, das viele in Trumps Regierung vor dem Buch haben. Obwohl Woodward für sein Projekt nie eine offizielle Genehmigung des Weißen Hauses erhalten hat, verschaffte er sich Zugang zu sensiblen Dokumenten und führte Hunderte Interviews. "Das Buch wird ein Killer", sagt ein früherer Regierungsmitarbeiter der Zeitung Politico: "Jeder hat mit Woodward gesprochen." Die Interviews soll er öfter bei sich zu Hause geführt haben, wo er seine Gesprächspartner dazu drängte, ihm Unterlagen auszuhändigen. Und: Er ging wieder selber auf die Straße, spätabends und unangekündigt, zu den Häusern von Leuten, mit denen er reden wollte. Es habe sich angefühlt wie eine Wiedergeburt, sagte er zu Freunden.

Entstanden ist ein Werk von 448 Seiten, welches das "erschütternde Innenleben" der Trump-Regierung zeige, schreibt der Verlag Simon und Schuster. Es handle sich um "das genaueste und durchdringendste Buch", das je über die ersten Amtsjahre eines amtierenden Präsidenten geschrieben worden sei. So klingen Verlage öfter, wenn sie ihre Bücher bewerben, und so klang auch der Verlag, der Anfang des Jahres das Enthüllungsbuch "Fire and Fury" von Michael Wolff herausbrachte. Im Gegensatz dazu dürfte es bei Woodward aber keine Zweifel geben, welche Zitate und Begebenheiten im Buch der Realität entspringen - und welche der Fantasie des Autors. Woodward gilt als sorgfältiger, detailversessener Chronist.

Einer, der sich auf das Buch freut, ist Woodwards Weggefährte Bernstein. Auch er arbeitet noch als Journalist. Zuletzt war er bei CNN an einer Enthüllungsgeschichte über Trumps früheren Anwalt Michael Cohen beteiligt. "Stellen Sie sich vor", sagte Bernstein diese Woche, "hier sind wir nun, 74 und 75 Jahre alt, und wir ziehen das immer noch durch."

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